Eckernförde - Auf den ersten Blick ist Britta Flaig (57) aus Eckernförde eine ganz normale, lebenslustige Frau. Was man ihr nicht ansieht: Sie leidet an der unheilbaren Krankheit Alzheimer - nach und nach entgleitet ihr seit einigen Jahren ihr Leben.
Vor zwei Jahren hat die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten zur ZDF-Doku "37 Grad" 57-Jährige die schockierende Diagnose bekommen. Doch schon mit Anfang 50 schlichen sich nach und nach einige Anzeichen in ihr Leben, sie vergaß plötzlich vieles.
Zunächst dachten die Ärzte, es sei Burnout. Sie schickten Britta zur Kur, zu verschiedenen Ärzten und in Psychotherapie - nichts half. Eine Hirnwasseruntersuchung brachte schließlich Klarheit - und veränderte das ganze Leben der Grundschullehrerin aus Leidenschaft.
"Wir können nichts für Sie tun, Alzheimer ist nicht heilbar", sagte die Ärztin damals zu ihr und machte damit jede Hoffnung zunichte, dass man ihr helfen könne. Dennoch immer an ihrer Seite: Ehemann Stefan - die beiden heirateten nach der Diagnose.
Anfangs bekam Britta Medikamente, die den Krankheitsverlauf verlangsamen können, doch die machten sie apathisch und teilnahmslos. "Das war für mich die Hölle, ich hab nur negative Nebenwirkungen davon gehabt." Sie entschied sich bewusst gegen die Einnahme.
"Ich kann damit hadern oder ich muss das akzeptieren", sagt vierfache Mutter. Insgesamt gehe es ihr gut, ihre Lebensfreude und Energie hat sie nicht verloren.
Britta kann nicht mehr als Lehrerin arbeiten und vermisst es sehr
"Ich lebe im Moment. Ich fühle mich so, dass ich noch alles kann. Das ist das Problem, weil ich nicht mitkriege, was ich nicht mitbekomme", stellt Britta fest. Und das sind häufig die kleinen Dinge. Sei es das Glas, das sie vergisst zuzuschrauben, bevor sie es zurück in den Schrank stellt. Oder dass sie Hilfe braucht beim Kofferpacken für den Urlaub.
Als sie am Laptop eine Mail beantworten will, kommt sie völlig ins Straucheln, weil sie vergessen hat, wie man sich anmeldet. Unter Tränen erklärt sie Stefan am Telefon das Problem. "Das ist mir vorher noch nie passiert, ist wieder ein Schritt mehr. Das stecke ich dann nicht so ganz leicht weg."
Und auch die Tatsache, ihren Beruf seit mittlerweile fünf Jahren nicht mehr ausüben zu können, macht die Schleswig-Holsteinerin traurig. "Dass ich das nicht mehr machen kann, ist eine Lücke in mir", erzählt sie.
Vor allem die Angst vor der Zukunft treibt sie um, und "dass ich nicht die Mama bis zum Schluss bin für meine Kinder, die ich sein möchte." Sie wisse ja auch nicht, ob sie Stefan und ihre Kinder vielleicht irgendwann nicht mehr erkennt.
Davor hat auch Sohn Per (28) Angst. "Meine größte Sorge ist einfach, dass irgendwann der Tag kommt, wo Mama vor mir steht und nicht mehr weiß, wer ich bin." Man wisse zwar, was passiert, aber eben nicht wann.
Wie Britta ihr Leben dennoch meistert, zeigt die "37 Grad"-Doku mit dem Titel "Mein Weg ins Vergessen - Leben mit Frühdemenz" am Dienstagabend ab 22.15 Uhr im ZDF oder schon jetzt im Stream in der Mediathek.