Frankfurt am Main - Wer in Frankfurt aus dem Hauptbahnhof geradewegs in die City läuft, dem begegnet im Schatten der Bankentürme viel Elend. Aber einige Personen begeben sich ganz bewusst in dieses Gebiet.
Mohamed Bousaaidi ist Streetworker im Verein M069. "Ich habe nix gelernt oder studiert, aber habe Erfahrung, die Menschen aus ihrer Sucht und Obdachlosigkeit herauszuhelfen", sagt er in einer aktuellen ZDF-Reportage. Er sei selbst spielsüchtig gewesen, kenne das Bahnhofsviertel und das dortige Elend daher bestens. Und ist auch deshalb dort anerkannt.
"Für mich gibt es für jeden Menschen eine Chance, auch wenn sie die Motivation nicht haben." Er möchte daher seine Motivation und Liebe teilen, den Süchtigen zeigen, dass sie einen Wert haben. Und ihnen aus ihrer Situation helfen.
Rund fünf Betroffene bringt sein Verein monatlich in die Entgiftung. "Leider schaffen es nicht alle, aber von zehn schaffen es zwei bis drei", berichtet Mohamed.
Ihrem Job in dem Quartier geht Anabelle (19) nach. Die Stripperin verdient im Rotlichtbezirk ihr Geld. Und mag den Ort. "Nicht die ganze Straße ist eine Katastrophe, es gibt auch coole Läden und gute Restaurants - tagsüber ein sehr schönes Viertel."
Später will sie ein Nagelstudio eröffnen, mit Mann und Kindern in einem Haus wohnen. Denn ewig wird sie nicht spärlich bekleidet vor zahlungskräftigen Kunden herumtänzeln können.
Dealen am Frankfurter Bahnhof: "Ich bin kein Arzt, aber das hat meistens eine dämpfende Wirkung"
"Wichtig ist, dass es nicht schlimmer wird", sagt Daniel Kerleau über das Frankfurter Drogenproblem. "Stellen Sie sich mal einen Tag ohne Polizei vor - was wäre hier los?"
Der Einsatzleiter und seine vielen Kolleginnen und Kollegen wollen über Präsenz das Geschäft mit illegalen Substanzen erschweren. Verhindern werden sie es nicht können.
Polizeikommissar Yannick Lempereur findet diesmal bei einem Verdächtigen Kapseln in einem Cliptütchen - offensichtlich Lyrica, ein sehr beliebtes Medikament in der Szene. "Ich bin kein Arzt, aber das hat meistens eine dämpfende Wirkung."
Ein Gesichtsfoto des Verdächtigen wird anschließend mit KI-Unterstützung durch die polizeiliche Datenbank gejagt. So weiß der Beamte schnell, ob und durch welche Delikte der Verdächtige bereits in Erscheinung getreten ist. Ein kleiner Schritt zumindest zum Erhalt der aktuellen Situation.
Die ZDF-Reportage "Bahnhofsviertel Frankfurt - Alltag, Drogen, Nightlife" zeigt das ZDF am Samstag (26. September) ab 17.35 Uhr. In der Mediathek steht der 30-minütige Film schon jetzt zur Verfügung.