Berlin - An einer Berufsschule in Berlin sollen mehr als 200 Schüler aus Vietnam verschwunden sein - niemand weiß genau, wie viele es sind, niemand weiß genau, wohin sie gehen.
In der ZDF-Reihe "Die Spur" nehmen sich die Filmemacherinnen Linda Huber, Linh Tran und Steffi Unsleber des Themas an und gehen dem Mysterium auf den Grund.
Im Mittelpunkt steht das Oberstufenzentrum "Gastgewerbe" in Berlin - Deutschlands größte Berufsschule für Azubis in der Gastronomie. Hier sind mehr Schüler angemeldet, als tatsächlich am Unterricht teilnehmen.
Von der Schule selbst bekommen die Macherinnen keine große Hilfe. Die Leitung bekommt einen Maulkorb von der Senatsverwaltung verpasst und die Behörde antwortet nur ausweichend oder gar nicht auf die Fragen.
Ein Schul-Insider verrät, dass es keinen verlässlichen Überblick über die Anzahl der Schüler gibt, da sie weder sorgfältig erfasst noch kontrolliert wird. Aber was passiert mit den fehlenden Azubis? Die Antwort ist ganz einfach: Schwarzarbeit!
"In den ersten Monaten machen wir ganz normal, als ob wir wirklich an der Ausbildung teilnehmen möchten", erzählt einer der Betroffenen, der sich nicht zu erkennen geben möchte. Dann brechen sie ab und arbeiten im "Blumenladen, Nagelstudio, Restaurant oder für Verwandte oder Bekannte", erzählt er.
Vietnamesische Azubis enden häufig in Schwarzarbeit
Das Problem: Das Ausbildungsgehalt ist einfach zu niedrig, weil die Schüler viel Geld an Agenturen in Vietnam zahlen müssen, die Rede ist von durchschnittlich 12.000 Euro. Daher ist der Weg in die Schwarzarbeit schlichtweg lukrativer.
Zudem gebe es auch junge Vietnamesen, die das System von vornherein ausnutzen und den Ausbildungsvertrag quasi als Visum für Deutschland nutzen.
Der Bundestag hat wegen des Fachkräftemangels 2023 per Gesetzesänderung dafür gesorgt, dass Fachkräfte leichter nach Deutschland kommen können - auch aus Vietnam. Vietnamesische Vermittlungsagenturen kassieren dabei ordentlich ab - in Deutschland wäre so etwas verboten.
Zudem kopieren Schleuser gültige Ausbildungsverträge und setzen andere Namen ein. Dann verkaufen sie sie an Menschen, die unbedingt nach Deutschland einreisen wollen, sodass die Ausbildung nur zum Schein angetreten wird und das eigentliche Ziel die Schwarzarbeit ist.
Es ist ein Teufelskreis: Die Azubis kommen zumeist schon hoch verschuldet an und werden zudem oftmals von ihren Vorgesetzten unter Druck gesetzt, denn riskieren sie ihren Ausbildungsplatz, droht die Rückkehr in die Heimat - es ist also sowohl ein hohes finanzielles als auch persönliches Risiko.
Die Dokumentation "Die Spur - Das Rätsel der verschwundenen Azubis" ist seit dem 28. Oktober 2026 in der ZDF-Mediathek abrufbar.