Auswanderin Luisa (25) denkt an Missbrauchsvorfall auf Sansibar zurück: "Das ist ganz weit weg von einem schönen Gefühl"

Sansibar - Ihre Geschichte hat Tausende "Goodbye Deutschland"-Zuschauer bewegt und erschüttert zugleich: Vor einem Jahr wandert Luisa Dana (25) nach Sansibar aus, will dort als Immobilienmaklerin durchstarten. Doch es kommt alles anders. Kurz vor Weihnachten 2025 wird sie von zwei Männern bedroht, verschleppt und missbraucht. Heute blickt sie souverän auf den schrecklichen Vorfall zurück. TAG24 hat mit der jungen Frau gesprochen.

Luisa Dana (25) wanderte vor einem Jahr nach Sansibar aus und wollte als Immobilienmaklerin durchstarten.  © privat

"Das ist ganz weit weg von einem schönen Gefühl", sagt Luisa, als sie sich im TAG24-Interview an den Übergriff erinnert. Eine Aussage, die fast schon relativierend klingt. Ihre taffe und reflektierte Art, damit umzugehen, stößt nicht bei jedem auf Verständnis.

Nach der Ausstrahlung der VOX-Sendung sammelten sich viele Kommentare unter dem Instagram-Beitrag von Goodbye Deutschland. Auch Luisa selbst erhielt einige Rückmeldungen, darunter viele positive. Erwartungsgemäß meldeten sich auch kritische Stimmen zu Wort, die ihr teils vorwarfen, dass die von ihr im TV erzählte Geschichte erfunden sei.

Ein Schlag ins Gesicht für jeden, der schon einmal etwas Ähnliches erlebt hat. Doch die 25-Jährige verteidigt sich: "Ich war vor Ort, ich weiß, was ich gesehen und erlebt habe. Es kann mir kein Mensch erzählen, wer ich bin, was passiert ist oder wie ich damit umgehe."

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Kürzlich hat die ehemalige Auswanderin ein Statement auf Instagram zum Thema veröffentlicht, in dem es heißt:

"An alle, die behaupten, meine Geschichte könne nicht wahr sein, weil ich 'zu stark' damit umgehe oder 'zu positiv' wirke: Ich empfinde diese Reaktion als großes Kompliment. Denn damit beschreibt jede einzelne Person nur seine eigene Vorstellung davon, wie ein Mensch nach einer solchen Erfahrung sein sollte."

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So hat sich Luisa nach dem Überfall auf Sansibar gefühlt

Obwohl Sansibar Luisa (2.v.l.) sehr gefällt, möchte sie nach dem Übergriff nicht mehr zurück auf die Insel.  © privat

Zwar geht Luisa heute gefasst mit dem traumatisierenden Ereignis um, trotzdem hat der Vorfall tiefe Spuren bei ihr hinterlassen. Im Gespräch mit TAG24 erinnert sich die junge Frau noch ganz genau an die ersten Minuten danach:

"Unmittelbar, nachdem ich 'freigelassen wurde' und mir aus dem Dschungel irgendwie den Weg herausgesucht habe, habe ich noch gar nicht so richtig realisiert, was jetzt gerade eigentlich passiert ist. Ich war nur froh, dass ich von dieser Stelle schnellstmöglich irgendwie wegkomme. Das war mein erster Gedanke: ganz schnell weg, ganz schnell in Sicherheit, ganz schnell wieder unter Leute kommen."

Anschließend sucht sie Hilfe bei einem nahe gelegenen Hotel: "Alle Menschen, die mich gesehen haben oder die mir entgegengekommen sind, haben direkt gesehen: Der Frau geht es nicht gut."

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Danach erstattet die gebürtige Wuppertalerin Anzeige bei der örtlichen Polizei. Der Fall verläuft jedoch schleppend. "Ich glaube, die sind einfach generell nicht so hinterher, sowas aufzudecken", sagt sie.

Obwohl alle Polizisten, die am Tattag im Revier beschäftigt waren, sich ihren Bericht angehört hatten, sei in Luisas Augen bislang zu wenig passiert: "Ich habe mir irgendwie mehr Ergebnis versprochen."

Kontakt zur VOX-Sendung lief über Levke Kersting

Den Kontakt zu "Goodbye Deutschland" erhielt die junge Frau durch TV-Auswanderin Levke Kersting.  © RTL

Untätig bleibt die gelernte Immobilienmaklerin aber nicht. Über TV-Kollegin Levke Kersting (43) erhält sie den Kontakt zum Produzenten von "Goodbye Deutschland". Die beiden Frauen hatten sich im Vorfeld auf der tansanischen Insel kennengelernt: "Ich bin dankbar, dass sich unsere Wege gekreuzt haben", so Luisa.

Zudem schreibt sie eine Organisation für Frauenrechte auf Sansibar an und nimmt Kontakt zur deutschen Botschaft auf. Letztere erteilt ihr jedoch eine Absage. In Deutschland geht Luisa ebenfalls zur Polizei, Hilfe bekommt sie auch hier nicht: "Da das außerhalb der EU ist, wurde der Fall sehr schnell wieder beendet."

Doch Luisa gibt nicht auf. Sie will, dass andere von ihren Erfahrungen profitieren: "Für mich stand schnell fest: Ich möchte nicht bei dem Erlebten stehen bleiben, sondern einen Mehrwert daraus schaffen."

Aktuell arbeitet sie zusammen mit Experten an Sicherheits- und Präventionsmaßnahmen und bietet eine Einzelbetreuung an: "Es geht darum, Vorträge und Workshops in Schulen und auch für Unternehmen anzubieten."

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TV-Auswanderin skeptisch, dass sich Fall klären wird

Das Filmteam begleitete Luisa bis nach Sansibar.  © RTL

Für Luisa ist klar: Mit dem Wissen von heute würde sie viele Dinge anders machen.

"Ich persönlich würde im Ausland nirgendwo mehr allein an Orten herumlaufen, wo keine oder wenige Menschen sind. Allein abends rausgehen oder mich tagsüber an Orten aufhalten, wo ich mich nicht auskenne und die mir kein gutes Bauchgefühl geben - das mache ich so auf jeden Fall nicht mehr", versichert die Wuppertalerin.

Gibt es überhaupt Hoffnung, dass sich der Fall klären und die Polizei die Täter finden wird?

Luisa zeigt sich skeptisch: "Ich gehe immer erst mal davon aus, dass kein Fortschritt passiert. Alles, was sich dann doch irgendwie in eine positive Richtung entwickelt, wäre eine tolle Neuigkeit und würde mich umso mehr freuen."

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