Bitterfelds Gift: Wie mehr als sechs Millionen Tonnen Chemieabfälle die Umwelt verseuchen

Bitterfeld - Sechs Millionen Tonnen Chemieabfälle wurden in der Deponie "Freiheit III" in Bitterfeld abgeladen. 30 Jahre später liegt der giftige Müll noch immer dort, begraben unter Erde und verdeckt von Rasen. Welche schlimmen Folgen er für Umwelt, Menschen und Tiere haben kann, ist unvorstellbar. "Exakt - Die Story" begibt sich auf die Spuren der Umweltsünden.

Der "Silbersee" wird nun mit Schlacke verfestigt, diese wird aus der Verbrennung von Hausmüll gewonnen.
Der "Silbersee" wird nun mit Schlacke verfestigt, diese wird aus der Verbrennung von Hausmüll gewonnen.  © MDR/Lukas Gensel

Die teils hochgiftigen Abfallprodukte der Chemieanlagen in ganz Deutschland, sogar europaweit, wurden früher oft ohne Sinn und Verstand in der Umwelt entsorgt.

So auch in Bitterfeld!

Dort dokumentierte bereits vor drei Jahrzehnten ein Fotograf die Umweltsünde. Heute begibt er sich in der MDR-Sendung zurück zum Ort des Geschehens.

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Auf den ersten Blick wurden die Sünden der Vergangenheit scheinbar beseitigt, doch schaut man genauer hin, findet man Erschreckendes.

Der "Silbersee", ein Tagebau-Restloch, wurde früher zur Entsorgung der giftigen Substanzen genutzt. Er existiert wie die Deponie "Freiheit III" noch immer - und gibt auch heute noch fleißig jede Menge Schadstoffe ins Grundwasser ab.

Prof. Holger Weiß vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung erklärt: "Das sind industrielle Altlasten aus 140 Jahren Industriegeschichte."

Südlich von Köln in Hürth steht ein Schwesterwerk von Bitterfeld. Hier seien die Auswirkungen noch stärker zu spüren, erzählt Susanne Geilen. Etwa 400 Meter trennen ihr Zuhause von dem Chemiepark Knapsack. Von ihrem Balkon aus kann sie ihn sogar sehen - und riechen.

Es stinke teilweise so fürchterlich, dass sie nicht herausgehen könne. Doch nicht nur das: "Weiße Wolken, schwarze Wolken, braune Wolken - alles dabei", erzählt Susanne über die Ausdünstungen des Chemieparks. Ob das gesund ist?

Chemie-Altlasten: So verheerende Folgen haben sie für Generationen

Im "Silbersee" lagern auch heute noch Millionen Tonnen giftiger Schlamm.
Im "Silbersee" lagern auch heute noch Millionen Tonnen giftiger Schlamm.  © MDR/Lukas Gensel

Für die früheren Bewohner Knapsacks war es das sicher nicht. Die Luftverschmutzung soll so hoch gewesen sein, dass 530 Häuser um das frühere Werk abgerissen und die Menschen umgesiedelt werden mussten.

Doch das war nur die Spitze des Eisberges.

"Exakt - Die Story" bohrt bei der Gemeinde nach und bekommt erst nach Androhung einer Klage die erschreckenden Dokumente. Gefährliche Giftabfälle wurden auf verschiedensten Stellen in der Region verteilt einfach in die Umwelt gekippt.

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Zurück zu Bitterfeld: Hier wird das Grundwasser durch Pumpen gereinigt, um die Bevölkerung vor dem Gift zu schützen.

Was die Pumpen nach oben bringen, ist eine schwarze Pampe, darin befindet sich vor allem das hochgiftige, krebserregende und erbgutschädigende Chlorbenzol.

Zehn Millionen Euro kostet das Aufbereiten des Wassers jährlich. Eine Alternative gebe es aber nicht, denn ohne die Pumpen würde das verseuchte Grundwasser die umliegenden Gebiete unbewohnbar machen.

Prof. Weiß ist sich sicher: Die Fehler der Vergangenheit werden uns wohl noch Jahrhunderte beschäftigen und so bleibe auch der Blick in die Zukunft laut "Exakt" ungewiss.

Die gesamte Folge "Exakt - Die Story" mit dem Titel: "Vergifteter Boden, verseuchtes Wasser - Wie Chemie-Altlasten Generationen belasten" könnt Ihr Euch in der Mediathek ansehen.

Titelfoto: Bildmontage: MDR/Lukas Gensel

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