Mixed Martial Arts: Piter kämpft gegen Trauma wegen sechs erschossener Freunde
Hanau - Elf Menschen starben im Februar 2020 bei der sogenannten Blutnacht von Hanau - mit sechs der Opfer war Piter (24) befreundet. Die dreiteilige ARD-Serie "Fight House" zeigt, wie er Mixed Martial Arts (MMA) trainiert, um gegen das Trauma anzukämpfen, dass der rassistische Anschlag bei ihm ausgelöst hat.
Mit dem Kampftraining möchte der 24-Jährige den Schatten seiner Vergangenheit entkommen: "Ich wüsste nicht, wo ich wäre, wenn ich den Sport jetzt nicht hätte, vielleicht wäre ich im Knast, vielleicht wäre ich tot", sagt er am Beginn der ersten Folge der Serie.
Was den jungen Mann quält, sind die Ereignisse des 19. Februar 2020 in Hanau: Der 43-jährige Tobias R. erschoss damals neun Menschen aus rassistischen Motiven, danach tötete er noch seine Mutter und sich selbst. Piter erlebte die Bluttat hautnah mit: "Ich war mittendrin, der hat auch auf mich geschossen."
Sechs der Toten habe er gekannt: Sie seien alle "gute Leute" gewesen. "Unmittelbar neben mir, die Leute, mit denen ich Rücken an Rücken stand, die sind teilweise gestorben", heißt es weiter. Er sei in der Gruppe der Einzige gewesen, der aus purem Glück von keiner Kugel getroffen wurde.
Dieses Erlebnis hat den in Hanau aufgewachsenen jungen Mann traumatisiert: "Klar verfolgt mich das, es gibt immer Momente, wo das mal stärker hochkommt, wo ich eine Panikattacke oder so bekomme." Er hat Probleme mit dem Schlafen, einer geregelten Arbeit kann er nicht nachgehen.
Zudem ist Piter auf die kriminelle Bahn geraten: "Ich war im Jugendarrest, ich habe einen Haufen von Anzeigen, ich wurde als Intensiv-Straftäter geführt." Zum Zeitpunkt der Aufnahme ist er nur auf Bewährung auf freiem Fuß, "weil ich einem Typ das Gesicht gebrochen habe".
Piter in der MMA-Serie "Fight House": "Gott sei Dank habe ich meine zwei Brüder"
Seine Brüder Rob (28) und David (27) haben ihn dazu gebracht, mit Mixed Martial Arts zu beginnen. Dieser Kampfsport kombiniert Schlag- und Tritt-Techniken aus dem Boxen, Kickboxen, Taekwondo und Karate mit verschiedenen Bodenkampf- und Ringtechniken. Für Piter war der Einstieg einfach, da er vorher schon jahrelang Kickboxen trainierte.
David und Rob helfen ihrem kleinen Bruder auch dabei, das MMA-Training in Stockstadt am Main bei Aschaffenburg durchzuziehen: "Gott sei Dank habe ich meine zwei Brüder, die treten mir dann in den Arsch, damit ich mich auch bewege", gesteht der 24-Jährige.
Er hofft, durch das harte MMA-Training mehr Disziplin zu erlangen - und eventuell auch einen Lebensunterhalt als Profi-Kämpfer: "Das ist das Ziel: das Geld, ein besseres Leben, ein schönes Leben, ein schönes Haus, schönes Auto, schöne Familie - Unbeschwertheit."
Die Serie zeigt, wie Rob und David ihre ersten Kämpfe als Mixed-Martial-Arts-Profis absolvieren und wie Piter sich auf seinen ersten MMA-Amateur-Kampf vorbereitet. Dabei muss er viele Hindernisse überwinden, unter anderem auch einen drohenden Haftbefehl - und immer wieder auch die Schatten der Blutnacht von Hanau.
Die Mixed-Martial-Arts-Serie "Fight House" um Piter und seine Brüder ist von Dienstag an in der ARD-Mediathek zu finden. Zudem werden alle drei Folgen am 24. August ab 22 Uhr vom Hessischen Rundfunk ausgestrahlt.
Titelfoto: ARD

