Hamburg - Travestie-Künstlerin Lilo Wanders (70) ist eine echte Ikone der Reeperbahn. Kein Wunder, dass die Dragqueen am Freitagabend in der Spezialausgabe der "NDR Talk Show" zum 400. Geburtstag der "sündigsten Meile der Welt" zu Gast war.
Die heute 70-Jährige hatte Ende der 80er-Jahre auf der Bühne des Schmidt Theaters ihren Durchbruch gefeiert, wurde anschließend zur Pionierin der LGBTQ-Community und "Grande Dame" der Travestie - dabei wollte sie einst eigentlich Bibliothekarin werden.
An ihr allererstes Erlebnis auf der Reeperbahn hat Wanders (bürgerlich: Ernst-Johann "Ernie" Reinhardt) allerdings auch alles andere als gute Erinnerungen, wie sie im Gespräch mit Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt (70) verriet.
Sie sei 18 gewesen und mit einem Schulfreund ins Hamburger Nachtleben gestartet. "Wir sind in einer im Kellergeschoss gelegenen Bar auf der Reeperbahn gelandet, ich wüsste jetzt nicht mehr, welche das war", berichtete die Dragqueen.
Statt einer feuchtfröhlichen Nacht wartete in der besagten Bar jedoch eine sehr unschöne Erfahrung. Wanders: "Da wollte man uns Landeiern wohl imponieren und es wurde eine Schreckschusspistole abgefeuert. Wir sind da schreiend raus, die Treppe hoch und weggelaufen."
Reeperbahn bedeutet auch heute immer noch Heimat für Lilo Wanders
Trotz dieses Erlebnisses schloss die Travestie-Künstlerin die Reeperbahn in ihr Herz - und wurde spätestens Mitte der 90er-Jahre als Moderatorin und sexuelle Aufklärerin in der VOX-Sendung "Wa(h)re Liebe" zur Ikone.
Auch wenn die sündige Meile heute nicht mehr ihr unmittelbarer Lebensmittelpunkt sei, sei sie trotzdem immer noch ihre Heimat. "Das war die längste Zeit meines Lebens, die ich an einem Ort verbracht habe", unterstrich die Dragqueen.
Wer die Reeperbahn-Spezialausgabe der "NDR Talk Show" am Freitagabend verpasst hat, kann sie jederzeit in der ARD-Mediathek nachholen.