Hamburg - Hass von allen Seiten, weil man als Mutter arbeiten will, anstatt zu Hause zu bleiben: Das hat Journalistin und Autorin Franca Lehfeldt (37) erlebt. Warum Mütter immer noch mit Vorurteilen zu kämpfen haben und was dagegen getan werden muss, erklärte sie in der "NDR Talk Show".
Die 37-Jährige berichtete von ihren Erlebnissen als junge Mutter: Vier Wochen nach der Geburt ihres Kindes nahm sie ihren ersten beruflichen Termin wahr. Zu Hause passte der Vater auf das Kind auf - für viele anscheinend absolut unverständlich, berichtete die Autorin.
Lehfeldt sei auf ihren Social-Media-Profilen mit Hass-Nachrichten überflutet worden: "'Wie kannst Du nur?', mir wurde sogar geschrieben: 'Egomaninnen sollten nicht Mutter werden' oder 'Das Kind ist im seelischen Stress' - das schrieben mir viele fremde Menschen."
Für die Journalistin war das unverständlich, denn sowohl ihr, ihrem Mann als auch ihrem Kind ging es in der Situation gut, erklärte sie. "Ich hatte das Gefühl, da litten einige Leute, dass die Mutter nicht litt."
Doch leider habe Lehfeldt die Erfahrung gemacht, dass gerade andere Frauen bei dem Thema auf die Barrikaden springen: "Die härtesten Urteile über Mütter sprechen Frauen, und Frauen sind auch sehr gut darin, Frauen zu bewerten."
Während der Recherche zu ihrem Buch "Gute Mütter, schlechte Mütter" erklärte ihr eine französische Philosophin allerdings: Letztendlich käme der Druck von den Männern, da "die Männer es vor vielen, vielen Jahren angenehm und bequem fanden, Kinderzuständigkeit und Erziehung an die Frauen abzugeben".
Franca Lehfeldt sprach früh mit ihrem Mann Christian Lindner über Mutterschaft
Seit vier Jahren ist die 37-Jährige nun mit Ex-FDP-Chef Christian Lindner (47) verheiratet. Vor anderthalb Jahren wurde Lehfeldt Mutter. Von Anfang an war es für die Journalistin klar, dass sie in ihrem Beruf weiterarbeiten möchte, wenn sie Mutter wird.
"Ich habe das sehr früh angesprochen", sagte die Autorin. Lehfeldt ist selbstständig, hat eine eigene Produktionsfirma und wollte das nicht aufgeben. "Und es ist ja nicht immer romantisch, so ein Gespräch zu führen, aber man muss es ganz früh führen."
Außerdem berichtete die Journalistin über die Erfahrungen des Elternseins: "Es gibt kein Gen und kein Talent für Windelnwechseln: Es gibt Übung und ich würde sagen, er ist echt gut darin."
Für die Autorin ist ihr Buch kein Ratgeber oder Tagebuch: "Es ist eine politische Streitschrift und ich hoffe, dass wir aufhören, in diesem Gerhard-Schröder-Modus darüber zu sprechen: Familienpolitik ist Gedöns - das begegnet mir auch jetzt noch immer wieder."
Wer die neue Folge der "NDR Talk Show" verpasst hat, kann sie sich in der ARD-Mediathek anschauen.