Ukrainische Familie von Rakete ausgelöscht: Kriegsreporter über "Momente, die einen umhauen"
Hamburg - Seit viereinhalb Jahren berichtet Ibrahim Naber (34) aus der Ukraine. Im Gespräch mit Markus Lanz (57) schilderte der Reporter bereits eigene Erlebnisse aus der Todeszone. Doch auch das Schicksal von Soldaten vor Ort, die er bei seiner Berichterstattung immer wieder begleitet, bewegen ihn tief.
"Das sind Momente, die einen umhauen", so Naber in der "NDR Talk Show", als er von einem ukrainischen Soldaten erzählt.
Im Sommer begleitete der Journalist unter anderem den 23-jährigen Danilo, der durch eine russische Rakete seine ganze Familie verloren hat. So wurde nach Angaben des Reporters das Wohnhaus der Familie in einem Dorf nahe Dnipro von einer Rakete getroffen.
"Das hat die komplette Familie ausgelöscht, bis auf Danilo und eine Schwester von ihm." Insgesamt sechs Geschwister sowie die Eltern wurden dabei getötet. "Und auch der anderthalbjährige Sohn von Danilo."
Der 23-Jährige selbst sei während des Raketeneinschlags nicht in dem Wohnhaus gewesen. Da er als Soldat tätig ist, "war sein Sohn deswegen dort in dem Haus der Eltern."
Einige Wochen nach dem schrecklichen Vorfall sei Naber gemeinsam mit Danilo zurück zu dem betroffenen Wohnhaus gekehrt.
Kriegsreporter in der "NDR Talk Show": Empathie dürfe nicht verloren gehen
Auch wenn den Reporter nach eigenen Angaben genau solche Tage immer wieder "umhauen" und er als Kriegsberichterstatter bereits viel Leid erlebt habe, sei es wichtig für ihn, die Empathie nicht zu verlieren.
"Ich kann den Job auch nur machen, wenn ich mich in die Geschichten von den Protagonisten und den Soldaten irgendwie reindenke und reinfühle." So sei die Berichterstattung für ihn auch ein persönlich hilfreicher Umgang zur Verarbeitung von traumatischen Geschichten.
Weshalb sich Naber immer wieder mit Schicksalsschlägen umgibt und sich selbst vor Ort in Gefahr bringt? "Die ehrlichsten Antworten habe ich oft dort bekommen, zum Beispiel in Erdlöchern an der Front, wo die Gefahr größer war", erklärt er zu seiner Berichterstattung weiter.
"Es ist ein Ansatz von mir, so wahrhaftig wie ich es kann über diesen Krieg zu berichten", so der 34-Jährige abschließend.
Titelfoto: IMAGO / Eventpress

