Politiker Bodo Ramelow über Wiedervereinigung: "Haben gnadenlos aneinander vorbeigeredet"

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Leipzig - Bodo Ramelow (70) ist in Niedersachsen geboren, hat in Hessen gewohnt, Familie in der DDR gehabt und wollte eigentlich nur für drei Monate nach Thüringen kommen. Er hat die Wiedervereinigung hautnah miterlebt und ist heute der Meinung, dass man damals einander zu wenig zugehört hat - und es bis heute nicht tut.

Im "Riverboat" spricht Bodo Ramelow (70) über seine Erfahrungen nach der Wiedervereinigung und über den Umgang mit sozialen Medien.
Im "Riverboat" spricht Bodo Ramelow (70) über seine Erfahrungen nach der Wiedervereinigung und über den Umgang mit sozialen Medien.  © IMAGO / STAR-MEDIA

Dass die Dinge in Ost und West so unterschiedlich abliefen, hätte Ramelow damals nicht gedacht, erzählte er im "Riverboat". Er dachte, dass alle eine Sprache sprechen und sich generell ähnlich sind, denn er hatte beispielsweise damals schon gern die "Puhdy's" gehört.

Erst nach 1989 hat er aber verstanden, wie verschieden die Ansichten und Ausdrucksweisen sind. "Mein Bruder fragte 1989 im Sommer: 'Wer hat heute in der Schule gefehlt?', und ich dachte, er ist höflich, er will wissen, wer krank ist. Ne, der wollte wissen, wer in Prag in der Botschaft sitzt", erinnerte der 70-Jährige sich.

"Wir haben so oft gnadenlos aneinander vorbeigeredet. Hätten wir zwei verschiedene Sprachen gesprochen, hätten wir uns mehr Mühe gegeben zuzuhören", so der Linken-Politiker. Das würde bis heute anhalten, denn laut ihm "erleben wir eine digitale Welt, die uns nur noch aufeinander hetzt".

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Zeitweise war Ramelow auch noch Fan von sozialen Medien. Nachdem Elon Musk (55) dann Twitter gekauft hat, Algorithmen und Kontrollmechanismen verändert hat und der Meta-Konzern nachgezogen hat, habe sich das gewandelt. "Bei Facebook kriege ich nur noch rechtsextremes Zeug, weil sie über mich hetzen und sich äußern, und der Algorithmus zeigt es mir", erklärte Ramelow.

Die sozialen Medien würden ein falsches Bild vermitteln, und man würde blind werden für freundliche Momente mit seinen Mitmenschen in der realen Welt. "Die Mehrheit der Menschen, die ich sehe und erlebe, sind eher kommunikativ positiv und wir quatschen öffentlich nur noch miteinander, als ob alles negativ wäre", sagte er schockiert.

Bodo Ramelows Hund hatte sich in der FDP festgebissen

Treuer Begleiter von Bodo Ramelow (70) war lange Zeit sein Jack-Russell-Terrier namens Attila.
Treuer Begleiter von Bodo Ramelow (70) war lange Zeit sein Jack-Russell-Terrier namens Attila.  © Jacob Schröter/Thüringer Staatskanzlei/dpa

Bodo Ramelow war fast zehn Jahre lang Ministerpräsident von Thüringen. Heute ist er unter anderem Bundestagsvizepräsident.

"Wenn Sie mal freihaben, was machen Sie?", wollte "Riverboat"-Moderator Joachim Llambi (62) wissen und sprach Ramelow auf seinen Hund an.

Lange Zeit war Jack-Russell-Terrier Attila ein treuer Begleiter des Politikers. "Attila ist nicht mehr. Er ist von uns gegangen, und wir haben uns verabschiedet. Das hat geschmerzt", sagte er.

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Attila hatte in der Staatskanzlei ein eigenes Körbchen und war im Landtag in Erfurt sehr beliebt. "Die Grünen haben ihn mit ökologischen Leckerlis gefüttert. Er hat die erzogen, dass es ordentliche Leckerlis gab", scherzte Ramelow und merkte an: "Der hat immer auf der FDP rumgebissen". Gemeint ist ein Ball mit Parteiwerbung.

Die ganze Folge des MDR "Riverboat" vom 2. Oktober könnt Ihr in der ARD Mediathek streamen.

Titelfoto: IMAGO / STAR-MEDIA

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