"Explosive Mischung": Warum es dem Tatort an Spannung mangelt
Ludwigshafen - Eine gesprengte Bankfiliale, eine verschwundene Geldkassette und ein Viertel, in dem selbst ernannte Sheriffs mehr Ansehen genießen als die Polizei. Im "Tatort: Explosive Mischung" geraten Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, 65) und Johanna Stern (Lisa Bitter, 42) in einen Fall, der sich innerhalb nur einer Nacht immer weiter zuspitzt. Zu sehen ist der Ludwigshafener Krimi am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten.
Bei einer Geldautomatensprengung kommt der polizeibekannte Dennis Lohberg ums Leben. Seine verschwundene Beute und die Frage nach einem Komplizen führen die Ermittlerinnen zur Stadtteilgang um Dennis' Bruder Chris Lohberg (Filip Schnack, 25) und dessen Ex-Freundin Fiona (Juliette Larat, 25).
Gleichzeitig rückt der selbst ernannte Ordnungshüter Ulf Meisner (Christian Schneeweiß, 46) in den Fokus, der zwar Antiaggressionskurse anbietet, seine Gewaltbereitschaft aber ausgerechnet im eigenen Zuhause nicht kontrollieren kann.
Während Polizeikollege Nico Langenkamp (Johannes Scheidweiler, 27) eigenmächtig Kontakt zu Chris aufnimmt, steuert die Geschichte auf eine Eskalation zu, die schließlich sogar das Polizeipräsidium erreicht.
Lohnt sich das Einschalten beim Ludwigshafener Tatort?
Eher nicht. "Explosive Mischung" ist zwar etwas runder erzählt als der missglückte Vorgänger "Sashimi spezial", wirklich spannend wird der Ludwigshafener Tatort dadurch aber trotzdem nicht.
Das größte Problem bleibt die Inszenierung. Viele Dialoge wirken steif und künstlich, emotionale Szenen fühlen sich selten authentisch an. Man merkt den Schauspielern häufig an, dass sie ihre Rollen spielen - statt sie zu leben. Dadurch bleibt der Film trotz seines eigentlich brisanten Themas überraschend distanziert.
Dabei hätte der Stoff durchaus Potenzial. Selbstjustiz, häusliche Gewalt, Femizide und toxische Männlichkeitsbilder sind wichtige gesellschaftliche Themen.
Autor und Regisseur Martin Eigler (62) packt davon allerdings so viele in einen einzigen Film, dass kaum eines wirklich die Tiefe bekommt, die es verdient hätte.
Ulrike Folkerts liefert als Lena Odenthal gewohnt souveräne Routine ab, Lisa Bitter funktioniert als Johanna Stern ebenfalls solide. Wirklich mitreißende Momente entstehen zwischen beiden jedoch kaum. Auch Filip Schnack überzeugt als impulsiver Chris Lohberg, bekommt aber zu wenig Gelegenheit, seiner Figur mehr Facetten zu verleihen.
Erst die letzten Minuten sorgen mit der Eskalation im Polizeipräsidium kurz für Nervenkitzel. Doch selbst dieser Showdown verpufft schneller, als er aufgebaut wurde.
Unterm Strich bleibt ein Tatort, der wichtige Themen anreißt, daraus aber keinen packenden Krimi formt. Zum Nebenherlaufen mag "Explosive Mischung" reichen, wer am Sonntagabend auf echte Spannung hofft, dürfte erneut enttäuscht werden.
Titelfoto: Bildmontage: SWR/Benoît Linder
