Vin Nico Pointner
Stuttgart - Die Linke könnte Umfragen zufolge erstmals in Baden-Württemberg den Sprung ins Parlament schaffen. Bislang war die Partei hierzulande in der außerparlamentarischen Opposition.
Innerhalb eines Jahres hat sich die Mitgliederzahl auf über 10.000 mehr als verdoppelt - mehr als die Hälfte davon ist jünger als 30 Jahre. Besonders in studentisch geprägten Städten wie Freiburg oder Heidelberg gilt die Linke als fest verankert.
Getragen wird der Linken-Boom von gesellschaftlicher Unzufriedenheit, wachsender sozialer Ungleichheit, der Wohnungsnot in vielen Städten - und der allgemeinen Proteststimmung im Land.
Im Wahlkampf setzt die Linke besonders auf das Thema Wohnen. Ein Trio aus drei jungen Frauen, alle noch keine 30 Jahre alt, führt die Partei in den Wahlkampf.
Aber was passiert, wenn die Linke im Landtag sitzt? Ein Einzug wäre vor allem symbolisch bedeutsam. Neben CDU, Grünen, SPD, AfD - und womöglich der FDP - würde das politische Spektrum spürbar breiter. Debatten könnten dadurch vielfältiger, der Parlamentsalltag aber auch komplexer werden.
Hauch von Revolution im Landtag?
Die Partei unterscheidet sich nicht nur im Inhalt, sondern auch in Ton und Kultur deutlich von den anderen Parteien. Nach Parteitagsreden werden schon mal die Fäuste gereckt und der Schlachtruf "Alerta! Alerta! Antifascista!" ("Achtung, Antifaschisten!") skandiert. Hitzige Debatten wären also vorprogrammiert.
Außerdem planen die Linken, ihre Amtszeiten zu begrenzen und ihre Abgeordneten-Gehälter auf das Durchschnittsgehalt zu deckeln.
Inhaltlich wäre der Einfluss begrenzt: Koalitionen mit anderen Parteien strebt die Linke nicht an. Sie will laute und unbequeme Opposition sein - Themen setzen, Anträge einbringen, Ausschüsse mitgestalten und Debatten anstoßen. Themen wie Mietwucher und soziale Mindeststandards könnten stärker in den Fokus rücken.