Mehr Fälle von häuslicher Gewalt: Täter verwenden klare Strategien

Von Stefanie Järkel

Stuttgart - Bedrohen, schlagen, kontrollieren - häusliche Gewalt kann viele Formen annehmen. Im vergangenen Jahr sind erneut mehr Fälle von häuslicher Gewalt in Baden-Württemberg erfasst worden.

Bundesweit stieg die Zahl der Opfer von häuslicher Gewalt um 3,8 Prozent auf 265.942 im Jahr 2024. (Symbolfoto)
Bundesweit stieg die Zahl der Opfer von häuslicher Gewalt um 3,8 Prozent auf 265.942 im Jahr 2024. (Symbolfoto)  © Jonas Walzberg/dpa

Es gebe eine leichte Tendenz nach oben, teilte das Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart mit. Die genauen Zahlen werden laut Innenministerium am Donnerstag als Teil des Sicherheitsberichts 2025 präsentiert. Im Jahr 2024 wurden laut LKA insgesamt 17.746 Fälle erfasst, im Jahr zuvor 16.430.

Mit einer Erklärung für den Anstieg der Zahlen tun sich Innenministerium und Landeskriminalamt schwer. Häufig blieben solche Straftaten unerkannt, weil die Opfer aus Scham, Hilflosigkeit oder Schulgefühlen nicht zur Polizei gingen, schreibt das LKA.

Der Anstieg der Fallzahlen könne auch schlicht in einer Aufhellung des Dunkelfeldes liegen, weil mehr Opfer die Taten anzeigten. Vor allem öffentlichkeitswirksame Kampagnen, Veranstaltungen und Aktionstage könnten eine entsprechende Wirkung haben.

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Das Innenministerium verweist unter anderem auf eine Videopodcast-Reihe zum Thema sexualisierte Gewalt als Teil von Partnerschaftsgewalt.

Die Videos informieren demnach junge Menschen zwischen 14 und 24 Jahren über Gewalt in der Partnerschaft - und zeigen ihnen Auswege auf.

Viele Fälle häuslicher Gewalt werden nicht zur Anzeige gebracht. (Symbolfoto)
Viele Fälle häuslicher Gewalt werden nicht zur Anzeige gebracht. (Symbolfoto)  © Maurizio Gambarini/dpa

Täter verwenden klare Strategien, um Frauen an sich zu binden

"Wenn natürlich eine Frau finanziell unabhängig ist, hat sie es sehr viel leichter, vielleicht in einer anderen Stadt einen Job zu finden, sich ein neues Leben aufzubauen", sagt Wittel, Geschäftsführerin in Stuttgart. "Aber der finanzielle Aspekt kommt nach dem emotionalen Aspekt."

Die Frau müsse auch unabhängig von der wirtschaftlichen Situation in der Lage sein, diese Schritte zu gehen - sich vom Partner zu lösen.

Laut einer Studie der britischen Cambridge-Universität verwenden Täter klare Strategien, um Frauen emotional an sich zu binden und zu verunsichern.

Demnach überschütten sie ihre Partnerinnen zunächst mit viel Hingabe und Liebe, dann verhalten sie sich grausam, später oft gewalttätig - und dazwischen immer wieder extrem liebevoll.

Titelfoto: Jonas Walzberg/dpa

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