30 Jahre Ampelmännchen: Wie eine kleine DDR-Figur Berlin eroberte – und fast Hollywood erreichte

Berlin - Das Ampelmännchen feiert seinen 30. Geburtstag und blickt auf eine echte Berliner Erfolgsgeschichte zurück: Vom ungeliebten Überbleibsel der DDR wurde die kleine Figur mit Hut und runder Nase zum Kultobjekt.

Markus Heckhausen (65) rettete das Ost-Ampelmännchen vor dem Verschwinden. Heute gibt es die Kultfigur in zahlreichen Variationen in sieben Ampelmann-Shops in Berlin.  © Ampelmann GmbH

Es sollte eigentlich verschwinden – heute ist es eines der bekanntesten Symbole der Hauptstadt und leuchtet nicht nur wieder im Berliner Stadtbild, sondern auch in Bremen, Kassel, Offenbach und Lübeck.

Dass das ostdeutsche Ampelmännchen nach der Wiedervereinigung nicht von der Bildfläche verschwand, ist vor allem einem Berliner Produktdesigner zu verdanken: Markus Heckhausen (65). Der gebürtige Tübinger zog 1995 nach Ost-Berlin - und entdeckte dort eine Figur, die ihn sofort faszinierte.

Damals war noch nicht absehbar, dass das Ampelmännchen einmal zum Sinnbild für den Osten und die Wiedervereinigung werden würde. "Es war einfach der Charme dieser Männchen", erzählt Heckhausen im Gespräch mit TAG24. Vor allem die warm leuchtenden Farben und die sympathische Figur mit dem Hut und der kleinen runden Nase seien ihm in den damals oft grauen Straßen Ost-Berlins sofort aufgefallen.

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Als Heckhausen am Rosenthaler Platz sah, wie alte Ampeln gegen westdeutsche Modelle ausgetauscht wurden und die ausgebauten Scheiben im Müll landen sollten, nahm er die Gläser mit nach Hause und entwickelte daraus eine Lampe. Dazu kombinierte er den Spruch "Don't stop me now, keep on walking" und machte aus dem ausgedienten Verkehrssymbol ein Designobjekt.

Doch aus der Idee wurde schnell mehr. Heckhausen begann, weitere Ampelscheiben zu sammeln, und kam dabei mit vielen Menschen in ostdeutschen Städten ins Gespräch. Dabei gewann er den Eindruck, dass sich viele Ostdeutsche nach der Wiedervereinigung abgehängt fühlten.

"Da war diese Enttäuschung, dass es doch keine blühenden Landschaften gab, die Enttäuschung, dass man in dem neuen System gar nicht so einfach zurechtkommt", erzählt er.

Für Heckhausen wurde das Ampelmännchen deshalb zu mehr als nur einer Figur. Es stand für die Frage, ob nach der Wiedervereinigung wirklich alles ausgetauscht werden musste.

Seine Idee: Warum sollte nicht auch ein Symbol aus dem Osten seinen Platz im vereinten Deutschland behalten?

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Vom Verkehrszeichen zur Kultmarke

Aus ausrangierten Ampelgläsern schuf Markus Heckhausen erste Designobjekte - später entstand daraus die Kultmarke Ampelmann.  © Ampelmann GmbH

Mit einer öffentlichen Kampagne und einem Komitee zur Rettung der Ampelmännchen bekam die Figur immer mehr Aufmerksamkeit. Heckhausen lernte schließlich auch den Erfinder kennen: den Verkehrspsychologen Karl Peglau (†82), der das Ampelmännchen 1961 entwickelt hatte.

Gemeinsam mit Peglau entstand eine neue Geschichte rund um die Figur. Aus ersten Lampen und Schlüsselanhängern entwickelte sich Schritt für Schritt ein Unternehmen. Heute beschäftigt die Ampelmann GmbH mehr als 70 Mitarbeiter in Berlin und vertreibt über 600 Produkte.

Ein entscheidender Faktor für den Erfolg war auch Berlin selbst. Mit dem wachsenden Tourismus wurde das Ampelmännchen zu einem neuen Symbol der Hauptstadt - neben klassischen Wahrzeichen wie dem Brandenburger Tor oder dem Fernsehturm.

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Mittlerweile kennt man das Ampelmännchen auch außerhalb Deutschlands. Besonders in Japan sei die Figur wegen ihrer Nähe zur Comic- und Manga-Kultur beliebt.

Sogar Hollywood klopfte bereits an. Vor einigen Jahren gab es laut Heckhausen Pläne für einen Spielfilm über das Ampelmännchen. Die Idee: Die kleine Figur steigt aus ihrer Ampel, freundet sich mit einem traurigen Schüler an und begleitet ihn durch den Alltag.

"Das Drehbuch war ganz rührend", erzählt der Unternehmer. Verfilmt wurde die Geschichte am Ende allerdings nie.

Ost-Ampelmännchen als Stück Geschichte

Markus Heckhausen 1996: Damals ahnte er noch nicht, welche Erfolgsgeschichte die kleinen grünen und roten Ampelmännchen vor sich hatten.  © Ampelmann GmbH

Nach 30 Jahren blickt Heckhausen mit Stolz auf die Entwicklung zurück. Besonders wichtig sei ihm, dass das Ampelmännchen nicht nur zu einem Produkt geworden ist.

"Wir verwalten auch das Erbe des Ampelmännchens", sagt der Geschäftsführer. Die Figur stehe weiterhin dafür, dass nach der Wiedervereinigung auch etwas aus dem Osten erhalten geblieben sei.

Für die Zukunft möchte Heckhausen die Symbolkraft weiter nutzen - etwa für mehr Rücksicht im Straßenverkehr.

Mit dem Ampelmann-Tag am 13. Oktober soll die Figur künftig auch für mehr Miteinander zwischen Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern stehen.

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