Anschlag auf CSD in Berlin: Todesopfer ist Mutter aus Polen, Regierung bestürzt

Berlin - Tödlicher Anschlag beim Christopher Street Day (CSD) in Berlin! Am Samstagabend ist ein Mann mit einem Transporter in eine Menschenmenge gefahren und hat dabei eine junge Frau getötet sowie mehrere Menschen verletzt. Am Sonntag wurde der mutmaßliche Täter bei einem Polizeieinsatz erschossen.

Mit diesem Wagen war der Täter in die Menschenmenge gerast.  © Sebastian Gollnow/dpa

Der CSD war nach der Schocktat am Samstagabend abgebrochen worden.

Die Polizei identifizierte rasch Abdul B. als Tatverdächtigen und fahndete öffentlich nach dem 21-Jährigen, der dem islamistischen Spektrum zugeordnet wird.

Am Sonntagabend erfolgte der Zugriff in einer Berliner Gartenparzelle. Dort sollen Schüsse gefallen sein, wodurch der Verdächtige sein Leben verlor.

Berlin Vater des CSD-Terroristen spricht über seinen Sohn: "Er hat das Herz eines Kindes"

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27. Juli, 16.35 Uhr: Polen bestürzt über Tod von Staatsbürgerin

Polens Regierung hat mit Bestürzung und Trauer auf den Tod einer polnischen Staatsbürgerin bei dem mutmaßlich islamistischen Anschlag am Rande des CSD reagiert.

"Wir sprechen der Familie und den Angehörigen unser aufrichtiges Beileid aus", schrieb der Sprecher des Außenministeriums auf X. Der polnische Konsul in Berlin stehe in Kontakt mit den deutschen Behörden und werde der Familie die notwendige konsularische Unterstützung zukommen lassen.

Zuvor hatte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner bekanntgegeben, dass es sich bei dem Todesopfer um eine polnische Staatsangehörige handele, die mit ihrer Tochter in Berlin gewesen sei.

Der Sprecher des Außenministeriums in Warschau sagte der Nachrichtenagentur PAP, die erwachsene Tochter der Frau sei derzeit im Krankenhaus, befinde sich aber nicht in Lebensgefahr. "Wir wissen, dass sie darüber informiert wurde, dass ihre Mutter nicht mehr lebt", sagte der Ministeriumssprecher.

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Blumen und Kerzen erinnern an die polnische Staatsangehörige, die bei dem CSD-Anschlag getötet wurde.  © Soeren Stache/dpa

27. Juli, 13.22 Uhr: Merz kündigt Konsequenzen aus CSD-Anschlag an

Es dürfe nicht nur bei Bekundungen bleiben. "Wir werden mit Besonnenheit, aber auch mit Entschlossenheit reagieren müssen", sagte der Kanzler.

Es gehe vor allem um die Frage, wie es sein könne, dass der mutmaßlich islamistische Tatverdächtige sich am Samstagabend unbehelligt in die Nähe des Christopher Street Days habe begeben und den Anschlag habe verüben können.

"Das Ziel dieses Angriffs war nicht willkürlich gewählt", sagte Merz. "Es war ein Angriff auch nicht nur auf die queere Community, es war ein Angriff auf unsere Freiheit, es war ein Angriff auf unsere freiheitliche Gesellschaft. Es war ein Angriff auf unsere Freiheit und unsere Liberalität. Wir werden alles tun, diese Freiheit, die Offenheit, die Liberalität unserer Gesellschaft zu schützen und zu verteidigen."

Die CDU beschäftigte sich nach Angaben von Merz im Präsidium und im Bundesvorstand mit dem Anschlag.

Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) will die Tragödie von Berlin aufarbeiten und Konsequenzen ziehen.  © Christoph Soeder/dpa

27. Juli, 12.25 Uhr: Schwerverletzten Opfern geht es besser

Gute Nachrichten aus der Berliner Charité: Der Zustand der vier dort noch behandelten Schwerverletzten hat sich weiter stabilisiert.

Drei Patienten konnten laut einem Kliniksprecher inzwischen von der Intensivstation auf eine normale Station verlegt werden. Ein weiterer Verletzter liegt weiterhin auf der Intensivstation, befindet sich aber ebenfalls auf dem Weg der Besserung.

Insgesamt hatte die Charité acht Verletzte nach dem Anschlag behandelt. Vier von ihnen konnten bereits am Sonntag wieder nach Hause.

Die übrigen vier mussten teilweise notoperiert und anschließend intensivmedizinisch versorgt werden. Sie erlitten vor allem Stichverletzungen sowie Knochenbrüche, die durch den Zusammenstoß mit dem Fahrzeug entstanden sein sollen.

Bei dem Angriff am Rande des Christopher Street Day war eine Frau getötet worden, 29 weitere Menschen wurden verletzt.

Die Charité behandelte insgesamt acht Verletzte nach dem Anschlag am Samstag.  © Andreas Rabenstein/dpa

27. Juli, 11.50 Uhr: Abdul B. soll Obdachloser kurz vor Anschlag Essen geschenkt haben

Nur einen Tag vor dem tödlichen CSD-Anschlag soll Abdul B. noch etwas Gutes getan haben: Der 21-Jährige habe Lebensmittel an eine Obdachlose verschenkt.

Das berichtet die "Bild". Demnach lebt eine Frau aus Bulgarien unter einem Torbogen des Hauses, in dem der Terrorist wohnte. Am Freitag soll sie von ihm drei Bananen und weiteres Obst bekommen haben.

Auch bei der Anmietung des späteren Tatfahrzeugs soll Ballout seinen echten Namen verwendet haben. Beides könnte darauf hindeuten, dass der mutmaßliche Attentäter seine Tat offenbar nicht verbergen wollte oder mit seinem bisherigen Leben abgeschlossen hatte.

27. Juli, 11.01 Uhr: So groß ist die Islamisten-Gefahr in Berlin

In Berlin haben die Sicherheitsbehörden mehrere Dutzend Islamisten als "Gefährder" oder "relevante Personen" eingestuft.

Laut Polizei gehörten im vergangenen Jahr jeweils eine mittlere zweistellige Zahl zum islamistisch-terroristischen Spektrum. Einige sitzen im Gefängnis, andere sind weiterhin auf freiem Fuß.

Noch höher fällt die Zahl beim Berliner Verfassungsschutz aus: Er zählt rund 2600 Anhänger islamistischer Ideologien, darunter etwa 980 gewaltorientierte Islamisten. Dazu gehören auch Menschen, die Gewalt unterstützen oder befürworten.

27. Juli, 10.36 Uhr: Polizei lässt zweiten Festgenommenen wieder laufen

Nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) ist ein zunächst festgenommener zweiter Verdächtiger wieder auf freiem Fuß.

Wie eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft mitteilte, wurde der Mann inzwischen entlassen. Der Tatverdacht gegen ihn habe sich offenbar nicht erhärtet.

Die Bundesanwaltschaft hat am Sonntagabend die Ermittlungen übernommen. Sie kümmert sich in Deutschland unter anderem um Fälle von islamistischem Terror. Auch nach dem Tod des Hauptverdächtigen laufen die Ermittlungen weiter – etwa um mögliche Helfer oder Mitwisser.

27. Juli, 9.38 Uhr: Polizei bietet am CSD-Tatort Unterstützung an

Die Berliner Polizei ist heute mit einer mobilen Wache rund um den CSD-Tatort im Einsatz.

Betroffene und Zeugen können sich dort Unterstützung holen oder mit den Beamten sprechen. Der genaue Standort steht noch nicht fest, soll aber in der Nähe des Ortes liegen, an dem aktuell Blumen niedergelegt werden.

Kerzen, Blumen und persönliche Botschaften wurden am Tatort im Berliner Tiergarten niedergelegt.  © Soeren Stache/dpa

27. Juli, 8.47 Uhr: Vater des CSD-Terroristen spricht über seinen Sohn

Für den Vater ist das Bild seines Sohnes nur schwer mit den Vorwürfen in Einklang zu bringen. Er beschrieb Abdul B. als "großzügig, emotional, liebevoll" und als jemanden, der das "Herz eines Kindes" habe.

Abdul B. lebte gemeinsam mit seiner Mutter und zwei seiner drei Schwestern in Berlin. Kurz vor der Tat hätten Vater und Sohn noch telefoniert. Von den extremistischen Plänen seines Sohnes will er allerdings nichts gewusst haben.

27. Juli, 7.20 Uhr: Vereinschef entdeckte zweiten Mann in Berliner Parzelle

Der Vorsitzende des Kleingartenvereins Burgwallschanze in Berlin-Spandau hat am Sonntag offenbar einen weiteren Mann in der Parzelle gesehen, in der der mutmaßliche Terrorist Abdul B. bei einem Polizeieinsatz getötet wurde.

Wie der Vereinschef gegenüber "T-Online" berichtete, habe sich dort ein etwa 40 Jahre alter Mann mit Kopfhörern aufgehalten. Er habe versucht, ihn anzusprechen – der Mann habe jedoch nicht reagiert.

Daraufhin habe der Vereinschef von ihm abgelassen. Interessant: Anders als zunächst berichtet, soll die Parzelle nicht dem Vater von Abdul B. gehören, sondern einer Pächterin. Er habe die Pächterin des Gartens umgehend informiert.

27. Juli, 6.46 Uhr: Warum war der Tatverdächtige Abdul B. auf freiem Fuß?

Der nach dem CSD-Anschlag bei einem Polizeieinsatz getötete Tatverdächtige war für die Behörden kein Unbekannter. Er war bereits verurteilt worden – und trotzdem auf freiem Fuß. Nun stellt sich die Frage: Warum konnte der Mann trotz seiner Vorgeschichte noch frei herumlaufen?

"Wir wissen ja, dass er eine Vielzahl von Straftaten begangen hat, dass er mit dem Terror sympathisiert hat, dass es auch eine Verurteilung gab, die auf Bewährung ausgesetzt wurde, und die Staatsanwaltschaft dagegen Beschwerde erhoben hat", sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) über den mutmaßlichen Täter in der ARD.

"Und in der Tat wird zurzeit sehr die Frage danach gestellt, wie kann eigentlich bei jemandem, den man als Gefährder identifiziert, eine Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Auch dem wird detailliert nachgegangen", betonte der CSU-Politiker. Dem Sender RTL sagte Dobrindt, "dass man in diesem Maße der Gefährdung, die hier auch vorlag, zu einer Bewährungsstrafe kommt, ist sicherlich nicht nachvollziehbar".

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (53) äußerte sich verwundert über den früheren Umgang der Berliner Justiz mit Abdul B. "Er wurde verurteilt (...) nach Jugendstrafrecht", sagte der CDU-Politiker am Sonntagabend im RBB. "Und dann wurde leider durch das Gericht eine Bewährungsstrafe ausgegeben. Und ich will das nicht bewerten, das ist die Unabhängigkeit der Justiz, aber mir fehlen da schon die Worte."

Die Polizei stellte Abdul B. (†21) am Sonntag in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau.  © © Michael Kappeler/dpa

26. Juli, 22.33 Uhr: Innenminister Dobrindt sieht keine weitere Gefährdung

Nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin geht Innenminister Alexander Dobrindt (56, CDU) von keiner weiteren unmittelbaren Gefahr aus.

"Es gibt weitere Maßnahmen, aber wir gehen jetzt aktuell von keiner weiteren Gefährdung aus. Aber das ist alles immer eher eine Momentaufnahme", so der CDU-Politiker im "ARD-Brennpunkt" am Sonntag. Der Verdacht gegen eine weitere Person habe sich nicht erhärtet. Diese Anschläge würden eher von Einzeltätern vollzogen.

"Dass man nicht nachvollziehen kann, dass jemand mit so einem Strafregister wie dem hier vorliegenden, mit so einem Maß an Radikalisierung, wie man das hier auch erkennen kann, dass der dann vor Gericht eine Strafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung bekommt", kündigte er eine Aufarbeitung des Falls an.

Alexander Dobrindt (56, CDU), Innenminister von Deutschland betont, dass solcherlei Anschläge eher von Einzeltätern begangen werden.  © Sebastian Gollnow/dpa

26. Juli, 22.16 Uhr: Brandenburger Tor leuchtet in Regenbogenfarben nach Angriff

Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Terroranschlag am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin ist das Brandenburger Tor in den Regenbogenfarben angeleuchtet worden.

Die Farben gelten als Symbol der queeren Szene und stehen für Vielfalt und Toleranz. Sie sind seit Sonnenuntergang an das Wahrzeichen in Berlins Mitte projiziert.

Nach dem Terroranschlag am Rande des CSD setzt Berlin ein Zeichen: Das Brandenburger Tor erstrahlt in den Regenbogenfarben - als Symbol für Vielfalt und Toleranz.  © Christoph Soeder/dpa

26. Juli, 22.07 Uhr: Merz betont, Gewalt beginnt mit Intoleranz und Ausgrenzung

Rund 24 Stunden nach dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag in Berlin hat Bundeskanzler Friedrich Merz (70) die Menschen dazu aufgefordert, sich nicht einschüchtern zu lassen.

Noch in der Nacht habe er überlegt, ob er der Einladung nach Paderborn zum traditionellen Libori-Mahl folgen solle. Er habe sich aber schnell entschlossen, seine Zusage einzuhalten. 

"Gewalt beginnt nicht erst mit einem Anschlag. Gewalt beginnt mit Intoleranz, mit Ausgrenzung, mit Diskriminierung, dummen Redensarten und schlechten Witzen", sagte Merz vor der Libori-Gilde im Historischen Rathaus.

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