Hollywood-Star Adam Sandler zeigt ganz andere Seite auf der Berlinale

Berlin - Er ist ein Kindskopf, er ist der Zohan, und er geht auf 50 erste Dates mit einer Frau mit Amnesie. Adam Sandler (57) ist einer von Hollywoods gestandenen Quatschköpfen und erscheint nun im Drama "Spaceman", das am 1. März beim Streamingdienst Netflix zu sehen ist. Am Mittwoch kam er zur Weltpremiere bei der Berlinale in die Hauptstadt.

Schauspieler Adam Sandler (57) kam am Mittwoch zur Vorführung des Films "Spaceman" nach Berlin.
Schauspieler Adam Sandler (57) kam am Mittwoch zur Vorführung des Films "Spaceman" nach Berlin.  © Hannes P. Albert/dpa

Die schauspielerische 180-Grad-Wende habe ihm Spaß gemacht, ließ er bei der Pressekonferenz durchblicken. Ob man ihn künftig öfter in dramatischen Rollen sehen wird? "Ich hoffe es. Ich mache es gerne", sagte der 57-Jährige, der bei der Pressekonferenz den Raum voller Journalisten zum Lachen brachte.

In "Spaceman" spielt Sandler den einsamen, tschechischen Kosmonauten Jakub Procházka. Er ist über Monate hinweg alleine in einem Raumschiff unterwegs, um den mysteriösen Chopra-Nebel hinter dem Planeten Jupiter zu untersuchen. "Wie ist es so, der einsamste Mensch der Welt zu sein?", wird Jakub gleich zu Beginn des Films von einem Mädchen treffend gefragt. Die Leere, die ihn im All umgibt, scheint auch in ihm zu herrschen.

Schnell wird klar: In der Sci-Fi-Geschichte geht es nicht um Weltraumabenteuer, sondern um die tiefe Einsamkeit eines Mannes, der sich von den Menschen um ihn herum buchstäblich abkapselt. Man könnte die Geschichte als eine Parabel der toxischen Männlichkeit verstehen. Seine Frau Lenka - gespielt von Carey Mulligan (38, "Der große Gatsby") - hatte er alleine gelassen, als sie eine Fehlgeburt ihres ersten Kindes erlitt. Und während sie das zweite Kind austrägt, schwebt er durchs All.

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Lenka nennt ihn Spaceman - was man einerseits als Kosmonaut verstehen kann, andererseits aber auch als Mann, der viel Raum zwischen sich und anderen lässt.

Filmproduzent Michael Parets (l.), Komponist Max Richter und die Schauspieler Adam Sandler, Cary Mulligan (38), Paul Dano (39) sowie Kunal Nayyar (42) nahmen an der 74. Berlinale teil.
Filmproduzent Michael Parets (l.), Komponist Max Richter und die Schauspieler Adam Sandler, Cary Mulligan (38), Paul Dano (39) sowie Kunal Nayyar (42) nahmen an der 74. Berlinale teil.  © Britta Pedersen/dpa

Adam Sandler ist kein Sturkopf

Adam Sandler (57) steht mit seiner Frau Carey Mulligan (38) am Donnerstag auf dem roten Teppich der Berlinale.
Adam Sandler (57) steht mit seiner Frau Carey Mulligan (38) am Donnerstag auf dem roten Teppich der Berlinale.  © Hannes P. Albert/dpa

Privat scheint der zweifache Vater und Ehemann Sandler anders gepolt zu sein. Rat nehme er besonders an, wenn es darum gehe, wie er glücklicher und ein besserer Ehemann und Vater sein könne, sagte Sandler der Deutschen Presse-Agentur vorab.

Seine Frau und Kinder wirken oftmals in seinen Filmen mit - zuletzt in der jüdischen Familienkomödie "Du bist sowas von nicht zu meiner Bat-Mizwa eingeladen", und jetzt auch in "Spaceman" - das Mädchen, das Jakub die Frage stellt, ist Sandlers Tochter Sadie (17).

Neben den Sandlers und Mulligan spielt auch Paul Dano ("The Fabelmans") im Weltraumdrama mit. Er leiht einer Spinne seine Stimme, die von Jakubs Einsamkeit angezogen wurde und ihn im Raumschiff besucht. Das intellektuelle, höfliche Geschöpf aus dem All, das gerne die Weltraum-Nuss-Nougat-Creme von Jakub mampft, ist aber wohl mehr als nur ein Alien. Sie kann als Auswuchs seines Unterbewusstseins verstanden werden, die ihn dabei begleitet, sich selbst zu verstehen.

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Einsamkeit - und Entfremdung - sind das begleitende Thema der Verfilmung des tschechischen Romans "Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt" von Jaroslav Kalfař von 2017. Für den schwedischen Regisseur des Films, Johan Renck, ist Einsamkeit ein immerwährender menschlicher Zustand.

Auch die Corona-Pandemie mit ihren Lockdowns sei Inspiration gewesen - der Film wurde gegen Ende der Pandemiezeit gedreht.

Titelfoto: Hannes P. Albert/dpa

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