Jahrzehntelang verschollen: NS-Raubgut wechselt für 4 Millionen den Besitzer
Von Sophia-Caroline Kosel, Laura Voigt
Berlin - Die Tänzerinnen-Figur vor der Villa von Heinrich Stahl (†74) wurde nach seiner Ermordung im KZ als NS-Raubgut eingestuft, restituiert und nun auf einer Auktion versteigert.
Seit 1979 stand der Brunnen im Garten des Georg Kolbe Museums in Berlin. Nun gehört es zu einer Privatsammlung in den USA. Diese habe bei der Auktion mit insgesamt sechs Bietern den Zuschlag bekommen, sagte eine Sprecherin des Berliner Auktionshauses Grisebach der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Der Hammer fiel bei vier Millionen Euro. "Was nun mit dem Brunnen passiert, wissen wir nicht", sagte die Sprecherin.
Bei dem Brunnen aus Bronze und Travertin aus dem Jahr 1922 handelt es sich um NS-Raubgut. Das Museum im Berliner Westend hatte ihn jüngst an die Erben der Familie des ursprünglichen Eigentümers zurückzugeben. Am Donnerstagabend wurde er schließlich als Highlight der Sommerauktion versteigert.
Wie es auf der Internetseite des Bezirksamts Berlin-Charlottenburg heißt, hatte der Bildhauer Georg Kolbe (1877-1947) den Brunnen für die Villa von Heinrich Stahl (1868-1942) geschaffen.
Er war Direktor der Victoria-Versicherung und später Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde von Berlin.
Brunnen galt viele Jahrzehnte als verschollen
Während des Nationalsozialismus wurde die Familie Stahl gezwungen, ihr Haus, vor dem der Brunnen stand, unter Wert zu verkaufen. Der Brunnen galt dann viele Jahrzehnte als verschollen.
Heinrich Stahl überlebte das KZ Theresienstadt nicht, in das er und seine Ehefrau Jenny im Jahr 1942 deportiert worden waren. Seine Frau überlebte und emigrierte nach dem Krieg in die USA.
Titelfoto: Imago / Schöning
