"Känguru-Chroniken"-Autor Marc-Uwe Kling kann auch Krimi

Berlin - Humorvolle Geschichten wie "Die Känguru-Chroniken" und "Das NEINhorn" haben Marc-Uwe Kling in allen Altersklassen zum gefeierten Autor gemacht. Nun legt der 42-Jährige mit "Views" seinen ersten Krimi vor. Der spannungsgeladene Polit-Thriller um ein brutales Video, Aufruhr und rechtsextreme Auswüchse erscheint am Donnerstag.

Der Polit-Thriller von Marc-Uwe Kling (42) erscheint am heutigen Donnerstag.
Der Polit-Thriller von Marc-Uwe Kling (42) erscheint am heutigen Donnerstag.  © Annette Riedl/dpa

In "Views" erzählt Kling von der Suche nach einer verschwundenen 16-Jährigen. Sie taucht plötzlich in einem brutalen Video im Netz auf.

Der Berliner beschreibt auch dies schonungslos. Wohl auch ein Grund, warum "Views" auf dem Einband vor sensiblen Inhalten warnt, "die manche Personen als verstörend empfingen könnten". Es sei hier ergänzt: sehr verstörend.

Die Konstellation des Verbrechens aus migrantischen Tätern und deutschem Opfer führt umgehend zu Verdächtigungen und Hetze im Netz, es kommt zu Aufruhr und Gewalt auf den Straßen, Rechtsextreme lassen die Empörung in exzessiven Auswüchsen eskalieren.

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Klings ermittelnde Hauptfigur Yasira wird mit politischem Kalkül ausgewählt: "Sie ist die Vorzeigemigrantin. Hauptkommissarin beim BKA." Der Thriller schildert sie als kluge Frau in einem fähigen Team, der die Brisanz der Lage sofort klar ist.

"Schon nach den ersten Sekunden weiß Yasira, dass dieses Video alles verändern wird. Es ist der Tropfen, der Funke, der Zünder. Stefan hat recht. Es ist Sprengstoff."

Marc-Uwe Kling: Thriller sind eigentlich nicht sein Fachgebiet

Der Autor ist mit seinen lustigen Geschichten wie "Die Känguru-Chroniken" berühmt geworden.
Der Autor ist mit seinen lustigen Geschichten wie "Die Känguru-Chroniken" berühmt geworden.  © Henning Kaiser/dpa

Das Verbrechen schlägt immer mehr Wellen, auch mediale, Verstand scheint dabei keine Rolle zu spielen. Kling lässt seine Figur die Lage einschätzen: "'Ja', sagt Yasira. 'Dabei könnte man das Verbrechen auch ganz anders rahmen. Es sind mal wieder Männer, die einer Frau Gewalt antun.'"

Für Kollege Stefan ist es so: "Unter Flüchtlingen gibt es auch Arschlöcher. Unter Nazis gibt es nur Arschlöcher."

Der Weg ins Krimi-Fach fiel dem Regisseur und Autor nicht immer leicht. "Ich hatte die Grundidee der Geschichte und dachte zuerst: 'Tolle Idee für einen Thriller. Leider schreibe ich keine.'", so Kling. "Aber dann hat mich die Idee nicht losgelassen und immer wenn ich nachts nicht schlafen konnte, hat mein Gehirn daran weitergearbeitet und irgendwann fiel mir auf, dass ich das ganze Buch im Kopf hatte. Das musste dann da raus."

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Kling sieht sich selbst nicht als Neuling in dem Genre. Er habe mit "Spurenfinder" schon eine Krimi-Komödie geschrieben, in der er versucht habe, die perfekte Mischung aus Spannung und Humor zu finden. Der Fantasy-Roman entstand mit seinen Töchtern Johanna und Luise.

"Bei 'Views' habe ich die Regler jetzt noch weiter in Richtung Spannung geschoben", sagt der Autor.

Titelfoto: Henning Kaiser/dpa

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