Marode Unis und Wehrpflicht: Studenten wollen protestieren - "Frankreich großes Vorbild"

❤️️
😂️
😱️
🔥️
😥️
👏️

Von Mia Bucher

Berlin - Aaron Schilling und Friedrich Lauenstein fallen viele Gründe dafür ein, warum sie gerne an der Technischen Universität Berlin (TU) studieren. Tolle Menschen, tolle Profs, viele Freiheiten, viel Raum für studentisches Leben, eine richtige Campus-Kultur.

Die Studenten Aaron Schilling (l.) und Friedrich Lauenstein stehen vor dem weiterhin gesperrten Hauptgebäude der TU.
Die Studenten Aaron Schilling (l.) und Friedrich Lauenstein stehen vor dem weiterhin gesperrten Hauptgebäude der TU.  © Christophe Gateau/dpa

Doch ihre Kritik-Liste ist mindestens genauso lang: zu viele geschlossene Gebäude, zu viel marode Einrichtung, zu wenig Geld und Investitionen.

In Frankreich bringt der schlechte Zustand von Schulen und Unis gerade Hunderttausende junge Menschen auf die Straße. Und auch an der TU könnte sich etwas zusammenbrauen.

"Frankreich ist ein großes Vorbild", sagt Lauenstein, der sich in den letzten Zügen seiner Masterarbeit befindet und studentischer Fachberater für Studieninteressierte und Erstsemester ist.

Berlin: Würge-Angriff in eigener Wohnung in Charlottenburg: 61-Jähriger greift zum Küchenmesser
Berlin Würge-Angriff in eigener Wohnung in Charlottenburg: 61-Jähriger greift zum Küchenmesser

Die Initiative "Gen Z steht auf" ruft für den 31. Oktober in zahlreichen deutschen Städten zu Protesten auf. Auch vor dem Brandenburger Tor ist eine Veranstaltung geplant. Den Angaben zufolge geht es unter anderem um Bildung, ein bezahlbares Leben sowie die Ablehnung einer Wehrpflicht.

"Wir distanzieren uns klar von jeglicher Art von Gewalt", sagte der Mitinitiator Akram Selo der dpa. Es gehe um eine friedliche Demonstration. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin sprach von einer "Großdemolage", auf die sich die Sicherheitsbehörden vorbereiteten.

In Frankreich dauern die Proteste bereits seit mehr als einem Monat an und verlaufen immer wieder gewalttätig.
In Frankreich dauern die Proteste bereits seit mehr als einem Monat an und verlaufen immer wieder gewalttätig.  © Emma Da Silva/AP/dpa

Sanierungsstau für staatliche Hochschulen in Berlin beträgt etwa 8,2 Milliarden Euro

Nicht nur an der Technischen Universität gibt es bauliche Mängel bei den landeseigenen Hochschulen.
Nicht nur an der Technischen Universität gibt es bauliche Mängel bei den landeseigenen Hochschulen.  © Soeren Stache/dpa

"Wir hatten mit Ach und Krach einen guten Semesterstart", sagt Schilling, der Elektrotechnik im Master studiert. Unter anderem das Hauptgebäude der TU mit etlichen großen Hörsälen ist zu Beginn des neuen Wintersemesters immer noch geschlossen.

Trotz der Einschränkungen hatte die Uni-Leitung versprochen, für alle rund 4000 Lehrveranstaltungen einen Raum bereitzustellen. Das scheint zu funktionieren. Aber "es muss nur wieder ein Gebäude ausfallen und das ganze System bricht wahrscheinlich relativ schnell ein", sagt Schilling.

Nicht nur an der TU, auch an anderen Hochschulen in Berlin besteht ein erheblicher Sanierungsstau. Konkret betroffen sind bei den landeseigenen Hochschulen 14 Gebäude an der TU, zwölf an der Humboldt-Uni, sechs an der Freien Uni und fünf an der Berliner Hochschule für Technik.

Berlin: Messerstich in den Rücken: 18-Jähriger bei Raubüberfall in Wilmersdorf verletzt
Berlin Messerstich in den Rücken: 18-Jähriger bei Raubüberfall in Wilmersdorf verletzt

Das Problem ist wie immer das Geld. Der Sanierungsstau beläuft sich für alle staatlichen Hochschulen des Landes Berlin auf etwa 8,2 Milliarden Euro, für die TU auf 2,4 Milliarden Euro.

Ein Aspekt ärgert Schilling besonders: "Es ist eine große Ungerechtigkeit, dass die Schuldenbremse für eine gefährliche Aufrüstung ausgesetzt werden soll, das dann für die Bildung aber nicht möglich sein soll."

Titelfoto: Christophe Gateau/dpa

Mehr zum Thema Berlin: