Von Marion van der Kraats
Berlin - Einer Statistik zufolge wird etwa alle zwei Minuten ein Mensch Opfer häuslicher Gewalt – überwiegend Frauen. In Berlin gibt es für Betroffene nun ein neues Angebot, um sich aus dieser Gewaltsituation zu befreien.
Für rund 2,5 Millionen Euro ist im Süden der Hauptstadt das neunte Frauen- und Kinderschutzhaus mit 26 Familienplätzen in zehn Wohnungen entstanden. Seit Mitte Januar sind bereits 18 Frauen und 13 Kinder dort untergebracht, wie die Senatssozialverwaltung mitteilte.
Sozialarbeiterinnen bieten den Bewohnerinnen psychosoziale Beratung an, zudem gibt es nach den Angaben eine Psychologin. Zwei Erzieherinnen bieten pädagogische Unterstützung für Kinder. Zum Schutz der Betroffenen bleibt die Adresse der Einrichtung vertraulich. Ihr Träger ist Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin.
Mit der Eröffnung der neuen Einrichtung gibt es in Berlin nach den Angaben nun 393 Familienplätze mit 859 Betten für Frauen, die von Gewalt betroffen sind, und ihre Kinder.
Mit dem neuen Haus schaffe Berlin einen weiteren Ort, an denen Frauen und Kinder sicher leben könnten, erklärte Sozial- und Gleichstellungssenatorin Cansel Kiziltepe (50, SPD) anlässlich der offiziellen Eröffnung des Hauses.
Bedarf an Zufluchtsorten weiterhin hoch
Die neue Einrichtung lege den Fokus auf Frauen mit ihren Kindern. "Denn Kinder machen in der Regel mehr als die Hälfte der Bewohnenden in den Häusern aus", so die SPD-Politikerin. Das neue Gewalthilfegesetz sichere ihnen ein eigenständiges Recht auf Schutz und Beratung zu.
"Mit dem neunten Frauenhaus rückt Berlin der vollständigen Umsetzung der Istanbul-Konvention einen Schritt näher", erklärte Kiziltepe.
Nach den Vorgaben muss Berlin insgesamt 390 Familienplätze vorhalten, die betroffenen Frauen kostenlos zur Verfügung stehen. In der Hauptstadt gibt es nach den Angaben derzeit insgesamt 239 solcher Familienplätze. Weitere Plätze sollen noch in diesem Jahr entstehen, wie es von der Senatssozialverwaltung heißt.
Zudem können Frauen und ihre Kinder in sogenannten Zufluchtswohnungen unterkommen. Dort gibt es laut Senatsverwaltung weitere 154 Familienplätze. Allerdings müssen Betroffene dort die Miete selbst finanzieren oder eine Kostenübernahme vorlegen.