"Rave The Planet": Der Kampf um das Erbe der Loveparade und die vergessene Mitgründerin

Berlin - Der Schock nach dem tödlichen Anschlag beim Christopher Street Day sitzt tief in Berlin. Erst am Donnerstag wurde die Techno-Demo "Zug der Liebe" für den 29. August komplett abgesagt. Doch die Veranstalter von "Rave The Planet" halten an ihrem Termin fest! Am 15. August sollen wieder Zehntausende Techno-Fans über die Straße des 17. Juni ziehen - mitten durchs Herz der Hauptstadt.

Tausende Techno-Fans wollen am 15. August wieder rund um die Siegessäule feiern.  © Christoph Soeder/dpa

Nur wenige Tage vor der nächsten Parade startet die ARD-Dokumentation "Love is Stronger – Von Loveparade zu Rave The Planet". Der Film begleitet Dr. Motte (66) und seine Ehefrau Ellen Dosch-Roeingh über mehrere Jahre hinweg bei ihrem Versuch, den Spirit der Loveparade zurück nach Berlin zu bringen - und ein neues Kapitel der elektronischen Musikkultur aufzuschlagen.

Im Mittelpunkt steht auch die Katastrophe in Duisburg. Bei der Loveparade 2010 kamen dort 21 Menschen ums Leben, Hunderte weitere wurden verletzt. "Wir müssen das Erbe von 2010, von dem Unglück in Duisburg, leider mittragen", sagt Ellen Dosch-Roeingh in der Dokumentation. Auch Dr. Motte spricht offen über seine eigene Verantwortung: "Ich fühle mich wirklich teilschuldig."

Trotz dieser schweren Vergangenheit gibt der heute 66-Jährige nicht auf. Sein Ziel ist es, die Geschichte der Loveparade weiterzuerzählen und ein Zeichen zu setzen, dass hinter dem Nachfolgeprojekt Rave The Planet eine ernst gemeinte Idee steht: die Förderung und Bewahrung der Berliner Technokultur, die seit 2024 offiziell als immaterielles Kulturerbe anerkannt ist.

Ein besonderes Augenmerk richtet die Doku außerdem auf Danielle de Picciotto (61). Die Künstlerin ist Mitbegründerin der ersten Loveparade, wird in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch häufig vergessen. Genau diese Erfahrung spricht sie im Film an: "Ich habe [...] gemerkt, dass ich immer weniger erwähnt werde in den ganzen Pressesachen. Und dass es eigentlich immer nur um Motte ging." Dass sie von ihrem Ex-Partner unerwähnt bleibt, für die 61-jährige "Geschichtsverfälschung". Seitdem habe sie es sich zur Mission gemacht, immer wieder daran zu erinnern - "weil ich finde, das ist auch inspirierend für andere Frauen".

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Ihre Erinnerungen zeigen auch, wie stark sich die Loveparade im Laufe der Jahrzehnte verändert hat und wie weit sie sich von ihren ursprünglichen Wurzeln entfernte.

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Kein Grund zur Absage

Loveparade-Mitbegründer Dr. Motte (66) will mit dem Nachfolgeprojekt "Rave The Planet" ein Zeichen für die Berliner Technokultur setzen. (Archivfoto)  © Jörg Carstensen/dpa

"Wir haben uns viele Gedanken gemacht", sagte Dr. Motte am Mittwoch nach dem Anschlag in der rbb-"Abendschau".

Das Sicherheitskonzept wurde daraufhin überarbeitet, die Behörden sind eingebunden. Nach Gesprächen mit der Polizei sei aber klar gewesen: Es gebe weder aus behördlicher noch aus eigener Sicht einen Grund, die Demonstration abzusagen, erklärte Mitveranstalterin Dosch-Roeingh.

Ganz anders beim "Zug der Liebe": Dort zog man die Reißleine. "Es ist jetzt nicht die richtige Zeit, um auf der Straße zu feiern", sagte Vereinssprecher Jens Schwan.

"Love is Stronger - Von Loveparade zu Rave The Planet" ist ab dem 31. Juli in der ARD-Mediathek verfügbar und wird am 12. August um 22.15 Uhr im rbb-Fernsehen ausgestrahlt.

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