Sechs-Quadratmeter-Box für 500 Euro: Ist DAS Berlins neue Wohn-Idee?
Berlin - In den Sarotti-Höfen in Kreuzberg steht eine mögliche Antwort auf Berlins Wohnungsnot: eine sechs Quadratmeter große Schlafbox. Die Grünen wollen solche Zwischennutzungen erleichtern und den Umbau leer stehender Büros deutlich vereinfachen. TAG24 war vor Ort und schaute sich ein Pilotprojekt an.
Rund zwei Millionen Quadratmeter Bürofläche stehen nach Angaben der Grünen in Berlin leer. Spitzenkandidat Werner Graf (47) stellte deshalb einen Sieben-Punkte-Plan vor.
Es soll unter anderem eine eigene "Umbau- und Umnutzungsagentur" entstehen, die geeignete Gebäude erfasst, Eigentümer berät und Hindernisse bei Genehmigungen aus dem Weg räumt.
"Ich finde, Berlin war immer dann stark, wenn es kreativ mit der Stadt umgegangen ist", sagte Graf bei der Pressekonferenz. Nicht jedes Büro lasse sich nach demselben Schema umbauen. Grundrisse, Leitungen und technische Voraussetzungen unterscheiden sich. Gefragt seien deshalb individuelle Lösungen.
Wie eine schnelle Zwischenlösung aussehen kann, zeigt CommUnits-Geschäftsführer Sascha Alexander Wolf in den Sarotti-Höfen. Auf einer leer stehenden Büroetage am Mehringdamm testet er kleine Schlafboxen, die auch Sitzmöglichkeiten bieten. Küche, Duschen und große Aufenthaltsflächen teilen sich die Bewohner. Sprich: im Grunde eine große WG, die bereits vorhandenen Raum nutzt.
Die Miete soll höchstens 500 Euro im Monat betragen. Das CommUnits-Modell richtet sich vor allem an Studierende, Auszubildende und Menschen, die neu nach Berlin kommen.
Warum sechs Monate zum Problem werden
Wolf will das Projekt mit den modularen Wohnzellen anschließend deutlich ausweiten. Für 2027 nennt er als Ziel rund 5000 Wohnplätze in leer stehenden Büros. Ein Vorteil für Eigentümer: Sie müssten sich nicht dauerhaft gegen eine gewerbliche Nutzung entscheiden. "Sobald ein richtiger Mieter gefunden wird, sind wir sofort wieder weg", erklärte der Unternehmer. Das Konzept gegen den Wohnungsmangel soll dabei von möglichst vielen Anbietern übernommen werden können.
Solchen Zwischennutzungen setzt das Baurecht bislang enge Grenzen. Wer länger als einige Monate bleibt, fällt schnell unter die strengeren Anforderungen für reguläres Wohnen. Die Grünen wollen deshalb längere Zeiträume ermöglichen, etwa für Studierende und Azubis. Gleichzeitig soll verhindert werden, dass Vermieter solche Regeln missbrauchen, um normales Mietrecht zu umgehen.
Obendrein will Graf verhindern, dass trotz des Leerstands einfach weitergebaut wird: "Wir wollen auch kein neues Baurecht für neue Bürohäuser erteilen."
Die Idee, aus Büros Wohnungen zu machen, ist im Berliner Wahlkampf allerdings nicht exklusiv grün. Auch CDU, SPD und Linke wollen Leerstand stärker nutzen.
Die Vorschläge bleiben bislang häufig allgemein. Graf versucht sich hingegen mit konkreteren, den eingangs genannten Regeln abzugrenzen.
Titelfoto: Denis Zielke/TAG24

