Aufnahmen auf rechtsextremen Seiten aufgetaucht: Fotograf wehrt sich gegen "Freie Sachsen"

Chemnitz - "Nein, ich habe nichts mit Extremisten am Hut!" Das ist ein Satz, den Patrick Engert (40) aus Chemnitz dieser Tage öfter zu seiner Verteidigung anbringt. Seit einem halben Jahr finden sich seine Drohnen-Aufnahmen neben Videos von Corona-Leugnern, Verschwörungstheoretikern und rechten Demonstranten auf dem YouTube-Kanal "SachsenKanal" wieder - zu Unrecht, wie er findet. Nun erstattete er Anzeige.

Patrick Engert (40) fotografiert Chemnitz von oben. Seine beliebten Motive gibt es sogar als Kalender.
Patrick Engert (40) fotografiert Chemnitz von oben. Seine beliebten Motive gibt es sogar als Kalender.  © Sven Gleisberg

Der Vorwurf: Der Betreiber des Kanals habe eine Urheberrechtsverletzung begangen, als er ungefragt und unentgeltlich die Fotos von Engert in Videos auf seinem Kanal verarbeitete. Doch vor allem fürchtet Patrick Engert, der auch im Auftrag von Stadt, Firmen und anderen mit der Drohne über Chemnitz fliegt, um seinen guten Ruf.

Das Thema geht ihm auch ganz persönlich an die Nieren. Er selbst hat Corona "nach einem schweren Verlauf" überwunden. Aber einige der Patienten des hauptberuflichen Altenpflegers nicht.

Der Betreiber des umstrittenen YouTube-Kanals ist Jörg List (64). Dieser pflegt nach eigenen Angaben eine Medienpartnerschaft mit den rechtsextremen "Freien Sachsen".

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Darüber hinaus ist er auch selbst vor kurzem der Partei beigetreten, die vom sächsischen Verfassungsschutz als "erwiesene rechtsextremistische Bestrebung" eingestuft wird.

List will gegen Sperrung des Kanals vorgehen

Schon Ende 2020 beschwerte sich Patrick Engert wegen der mutmaßlich geklauten Drohnen-Videos bei YouTube - der Kanal wurde kurz darauf gelöscht und ging erst jüngst wieder online.

"Die Sperrung hatte politische Gründe", behauptet Jörg List im TAG24-Gespräch. Wer etwas anderes sagt, läuft Gefahr, sich eine Unterlassungsklage einzuhandeln. So wie Harald Deckow (53), Geschäftsführer von "Oben 360" und Fotografen-Kollege von Patrick Engert (das Anwaltsschreiben liegt TAG24 vor).

Jörg List will im Übrigen gegen YouTube und Google für die vorübergehende Sperrung seines Kanals vorgehen.

Rechtlichen Beistand leistet ihm dabei ein Partei-Kollege - der rechtsextreme Anwalt Martin Kohlmann (44).

Titelfoto: Sven Gleisberg

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