Petition gegen Chemnitzer Zukunftsprojekt: Gewerbepläne stoßen auf Widerstand
Chemnitz - Ein Bauvorhaben erhitzt aktuell die Gemüter in Chemnitz-Rabenstein: Die Stadt plant ein neues Gewerbegebiet an der Autobahnabfahrt Rottluff. Ziel: mit dem "Innovationscampus" moderne Gewerbeflächen schaffen und die wirtschaftliche Entwicklung langfristig sichern. Doch dagegen regt sich Widerstand.
Viele Rabensteiner befürchten mehr Lärm, Verkehr und Schmutz im bisher so idyllischen Ortsteil.
Die Anwohner Falk Hentzschel (50) und Sven Schreiber haben deswegen eine Petition eingereicht und fordern, das Areal stattdessen in Grün- oder Naherholungsflächen umzuwidmen.
Die Stadt verteidigt den Standort mit klaren Zahlen: Die kommunalen Gewerbegebiete seien bereits zu 86 Prozent belegt, freie Flächen rar. Was noch übrig ist, gilt oft als schwer nutzbar:
"Weil mehrgeschossige Bestandsobjekte aus heutiger Sicht für moderne Betriebsabläufe ungeeignet sind", sei der Neubau die Alternative.
Hier setzt die Kritik der Anwohner ein: "Durch den Wandel in Branchen wie der Automobilindustrie werden zusätzliche Flächen frei", kritisiert die Petition. "Deswegen verstehen wir nicht, warum die Stadt auf Vorrat neue Flächen schaffen will. Wo sollen die Investoren in der heutigen Zeit herkommen?"
Anhaltender Fachkräftemangel und die alternde Bevölkerung der Stadt lassen viele Anwohner zusätzlich am Nutzen des Campus zweifeln.
Bedenken, aber auch positive Stimmen in Rabenstein
Mehr als 1300 Menschen haben die Petition unterzeichnet. "Wir hatten mit maximal 500 Unterschriften gerechnet", sagt Falk Hentzschel. "Die Dimension, die wir mittlerweile erreicht haben, ist für uns völlig unglaublich."
Die Petition wird nun innerhalb der Verwaltung geprüft. "Im Ergebnis geht sie über den zuständigen Fachausschuss an den Stadtrat zur Entscheidung", heißt es aus dem Rathaus.
Trotz aller Bedenken gibt es in Rabenstein aber auch Stimmen, die dem Projekt Chancen zuschreiben. "Wir haben keine Meinungsumfrage bei allen Mitgliedern gemacht, aber zumindest im Vorstand sind wir uns einig, dass wir das Gewerbegebiet nicht klar ablehnen", sagt Ralf Fischer (70) von der Unabhängigen Bürgerinitiative Rabenstein (UBR).
"Wichtig ist uns aber, dass wir ein Mitspracherecht haben", betont er. UBR-Mitglied und Anwohner Ivo Partschefeld (47):
"Rabenstein war historisch immer auch ein Standort von Industrie und Gewerbe. Qualifizierte Arbeitsplätze vor Ort stärken unseren Stadtteil und bieten Perspektiven für junge Menschen."
Gut zehn Jahre wird schon geplant
Das geplante Gewerbegebiet in Rabenstein ist kein neues Thema: Bereits 2015 startete das Bebauungsplanverfahren unter dem Namen "Gewerbegebiet Rabenstein Ost". 2017 wurde die Fläche erweitert, es regte sich erstmals Widerstand in Form einer Petition. 2018 wurde das Verfahren vorerst gestoppt.
Im Frühjahr 2025 nahm der Ausschuss für Stadtentwicklung die Planungen wieder auf - mit dem Ziel, ein modernes, campusähnliches Gewerbegebiet zu schaffen.
Am "Innovationscampus Rabenstein" sollen sich nun künftig wenige große statt - wie ursprünglich geplant - viele kleine Unternehmen ansiedeln.
Titelfoto: Bildmontage: Ralph Kunz (2)

