Chemnitz - Raubt das Baustellenjahr 2026 vielen Chemnitzer Autofahrern den letzten Nerv? Das Baudezernat hat jetzt das Informationspapier "Baustellenkoordinierung im Hauptnetz 2026" vorgelegt. Darin sind allein für das Hauptstraßennetz 86 Maßnahmen aufgeführt.
Nach jahrelanger Kritik aus dem Stadtrat hat Baubürgermeister Thomas Kütter (49, parteilos) ein "koordiniertes Gerüst der wichtigsten Baumaßnahmen" erarbeiten lassen und will Chemnitz damit frühzeitig auf das "planmäßige Baugeschehen" auf den Hauptstraßen einstimmen.
Wo es besonders eng wird? Als Schwerpunkte nennt die Vorlage ausdrücklich Annaberger Straße, A4, Bahnhofstraße, Brückenstraße, Bernsdorfer Straße, Falkeplatz, Mühlenstraße und Theaterstraße.
Die drei wohl nervigsten Baustellen hängen alle am Ausbau des Zentrumsrings für den Straßenbahnausbau. Mit Falkeplatz, Mühlenstraße und Theaterstraße trifft es ausgerechnet drei Stellen mitten im Herzen der Stadt.
Am längsten zieht sich der Falkeplatz: Dort wird bereits gebaut, die Maßnahme läuft bis November 2028.
Besonders unerquicklich für Autofahrer sind die Abbiegeverbote: Von der Zwickauer Straße geht es nicht links in die Theaterstraße, aus der Theaterstraße nicht rechts in die Zwickauer Straße.
Zentrumsring als Dauerbaustelle
Es folgt die Mühlenstraße mit Vollsperrung bis 3. Juni 2026 - genau an einem Punkt, an dem mehrere Hauptachsen zusammenlaufen. Und kaum ist dort Schluss, geht der Ärger nahtlos weiter: Ab 4. Juni ist die Theaterstraße bis Januar 2027 dicht. Für viele Chemnitzer heißt das unterm Strich: Der Zentrumsring wird zur Dauerbaustelle, der Straßenbahn-Ausbau zur Geduldsprobe.
Auch die Annaberger Straße im Süden bleibt lange ein Nadelöhr: Rund um die Schulstraße laufen Kanalarbeiten bis Dezember 2027, am Harthauer Berg bleibt die Straße noch bis Juni voll gesperrt.
Im Norden fällt vor allem die Bornaer Straße ins Gewicht. Dort werden an der Köthensdorfer Straße bis Ende Juli Leitungen verlegt.
Zu den vielen kleineren Eingriffen in Nebenstraßen sagt das Infopapier übrigens nichts. Dafür verweist die Stadt auf den Baustellenatlas, in dem alle genehmigten Baustellen laufend veröffentlicht werden.
Hier wird doch nicht gebaut
Eigentlich sollten seit Montag auf der Augustusburger Straße und der Dittersdorfer Straße Bauarbeiten laufen. Doch vor Ort passierte: nichts. Keine Bagger, keine Absperrungen, kein Baustart.
Erst auf Nachfrage erklärte die Stadt: Auf der Augustusburger Straße wurde das Vorhaben in letzter Minute von der Verkehrslenkungs-Kommission gestoppt.
Grund: Die verbleibende Fahrbahnbreite reicht nicht aus, weil die Strecke derzeit für Schwerlasttransporte durchs Stadtgebiet gebraucht wird.
Auch an der Dittersdorfer Straße gab es einen unerwarteten Rückzieher. Dort wurde der Beginn der Arbeiten kurzfristig auf den 20. April verschoben.