Chemnitz bedankt sich bei Corona-Helfern: Kita-Erzieher fühlen sich veralbert

Chemnitz - Für den besonderen Einsatz der Kita-Erzieherinnen während der Corona-Krise bedankte sich das Jugendamt mit einem Stift und einem Notizheft. Große Freude kommt bei den Beschenkten nicht auf. 

In den Kitas gab es eine Notbetreuung für Kinder, deren Eltern in der Pflege oder in Krankenhäusern arbeiten.
In den Kitas gab es eine Notbetreuung für Kinder, deren Eltern in der Pflege oder in Krankenhäusern arbeiten.  © dpa/Rolf Vennenbernd

Elternvertreterin Jana Mittag (38) sagt: "Die Erzieher fühlen sich eher veralbert als wertgeschätzt. Sie haben in der Notbetreuung Eltern, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, unter widrigsten Umständen den Rücken freigehalten. Dieses Geschenk ist peinlich." 

Kita-Erzieher mussten in der Notbetreuung ohne Schutzschilder wie Plexiglasscheiben oder Homeoffice auskommen. Wickeln, trösten, Nase putzen geht nur mit körperlicher Nähe.

Nebenbei absolvierten sie einen Putz- und Desinfektions-Marathon, um das Ansteckungs-Risiko für Kinder und Personal zu mindern.

Stadträtin Susanne Schaper (42, Linke) kritisiert: "Das war gut gedacht, nicht gut gemacht. Die Erzieher sollten eine besondere Wertschätzung erhalten, zum Beispiel Gutscheine für eine städtische Einrichtung." 

Auch Stadträtin Ines Saborowski (52, CDU) will die dürftige Geste so nicht stehen lassen: "Hier muss nachgebessert werden. Eine Möglichkeit wäre ein zusätzlicher freier Tag für alle, die in der Notbetreuung gearbeitet haben. Oder Restaurant-Gutscheine, die gleichzeitig unseren Gastronomen helfen würden."

Sozialbürgermeister Ralph Burghart (50) macht das Ärgernis nun zur Chefsache. "Ein weiteres Dankeschön der Stadt wird aktuell geprüft", hieß es am Donnerstag aus dem Rathaus. 

Elternvertreterin Jana Mittag (37) findet das Geschenk für die Kita-Erzieherinnen nicht angemessen.
Elternvertreterin Jana Mittag (37) findet das Geschenk für die Kita-Erzieherinnen nicht angemessen.  © Sven Gleisberg
Das Dankeschön für den Corona-Einsatz: Ein Schreibheft mit Stift, den man einpflanzen kann.
Das Dankeschön für den Corona-Einsatz: Ein Schreibheft mit Stift, den man einpflanzen kann.  © Sven Gleisberg

Kita-Neustart top, Öffnungszeiten Flop

Stadtelternrätin Franziska Jahn (36) bekam nach der Wiedereröffnung der Kitas überwiegend positive Resonanz von Eltern.
Stadtelternrätin Franziska Jahn (36) bekam nach der Wiedereröffnung der Kitas überwiegend positive Resonanz von Eltern.  © Maik Börner

Seit vier Wochen sind die Kindertagesstätten wieder für alle Kinder geöffnet. Stadtelternrätin Franziska Jahn (36) zieht eine überwiegend positive Zwischenbilanz: "Wir hatten ein großes Feedback von den Eltern. Der Neustart hat im Großen und Ganzen überraschend gut funktioniert."

Größter Kritikpunkt der Familien sind nach wie vor die eingeschränkten Öffnungszeiten. "Immer mehr Arbeitgeber kehren zum normalen Büroalltag zurück. Da ist es schwer, spätestens 15 Uhr das Kind von der Kita abzuholen", so Jahn.

"Deshalb hoffen viele Eltern auf weitere Lockerungen ab Ende Juni." 

Titelfoto: Sven Gleisberg

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