Beim Chemnitzer Kult-Trödler ist noch immer DDR

Chemnitz - Chemnitz hat nicht nur einen Nischel, sondern gleich zwei: Ein Karl-Marx-Kopf ziert auch die Fassade des Deko-Händlers SBS in der Robert-Blum-Straße. Drinnen steckt ebenfalls viel Ostdeutschland - SBS gilt als bestsortierter Händler von DDR-Design. Doch inzwischen gehen die Geschäfte schlechter.

Lenin für die Wand? SBS-Chef Jörg Schaarschmitt (51) mit einem Gemälde für eine Filmproduktion.
Lenin für die Wand? SBS-Chef Jörg Schaarschmitt (51) mit einem Gemälde für eine Filmproduktion.  © Maik Börner

Wer eine Schrankwand "Karat" oder "Sybille", eine Stehlampe in Orange, den Mixer "RG 28" oder die legendäre Waschmaschine "WM 66" sucht, ist hier genau richtig. Mehrere Zehntausend Artikel aus volkseigener Produktion stehen in den Regalen.

"Vor allem Studenten entdecken diese Welt wieder und richten mit DDR-Möbeln ihre Wohnungen ein", sagt Jörg Schaarschmitt (51), letzter verbliebener Gründer der Firma (seit 1998). Auch Weggezogene kommen, um Heimatflair in ihre West-Wohnungen zu bringen.

Sehr beliebt sind seine Stücke bei Filmproduktionsfirmen. Ob "Das Leben der Anderen", "Ballon" oder "Weißensee" - "die Ausstatter stöbern manchmal zwei Tage lang bei mir, suchen Küchen, Tische, Stühle oder Mitropa-Geschirr aus, um damit die Filme auszustatten", weiß Jörg Schaarschmitt.

Mittlerweile gehen die Geschäfte schlechter. Der internationale Markt für Trödel sei zusammengebrochen. Einst arbeiteten 20 Leute bei SBS, heute noch zwei. Doch ans Aufgeben denkt der Inhaber noch lange nicht: "Wir verkaufen ein paar seltene Stücke mehr. Kein Film braucht 50 DDR-Luftkoffer."

Anbauwand und Lampe aus volkseigener DDR-Produktion. Junge Leute richten sich wieder gerne so ein.
Anbauwand und Lampe aus volkseigener DDR-Produktion. Junge Leute richten sich wieder gerne so ein.  © Maik Börner
Hier lebt die DDR noch: Blick in den Dekoladen von SBS im Ortsteil Schönau.
Hier lebt die DDR noch: Blick in den Dekoladen von SBS im Ortsteil Schönau.  © Maik Börner

Erichs Lampenladen erhellt jetzt das Kiez-Lokal "Lokomov"

Lars Fassmann (43) hat im "Lokomov" Original-Leuchten aus "Erichs Lampenladen".
Lars Fassmann (43) hat im "Lokomov" Original-Leuchten aus "Erichs Lampenladen".  © Maik Börner

Der Palast der Republik in Berlin ist seit 2008 Geschichte. Doch einige der mehr als 10.000 berühmten Leuchten aus "Erichs Lampenladen" haben bis heute überlebt. Unter anderem im Kiez-Lokal "Lokomov" in der Augustusburger Straße.

Drei der berühmten Lampen erleuchten den Gastraum. Entdeckt hatte "Lokomov"-Inhaber Lars Fassmann (43) die Lampen bei der Firma SBS-Deko im Ortsteil Schönau: "Nicht billig, aber sie stehen für DDR-Geschichte."

Auch die Möbel im Lokal erinnern an die DDR. Die Leucht-Buchstaben am Tresen machten einst Werbung für "Radio und Fernsehen" am Getreidemarkt.

Titelfoto: Maik Börner

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