Chemnitz - Bei den Chemnitzer Theatern liegen die Nerven blank.
Monatelang wurde von der Stadtspitze der Neubau fürs Schauspiel hinter dem Spinnbau in Altchemnitz als Vorzugsvariante verkauft.
Doch seit dieser Woche ist plötzlich auch das Opernhaus mitten in der Rechnung – und mit der neuen Liste für die Bundesmilliarde fliegt der frühere 56-Millionen-Ansatz fürs Schauspiel ganz raus.
Die Empörung ist mit Händen zu greifen. Aus Theaterkreisen heißt es, man fühle sich inzwischen "wie im luftleeren Raum". Ballettdirektorin Sabrina Sadowska (61) ist "energiegeladen und wütend".
Generalintendant Christoph Dittrich (59) macht klar, worum es für ihn geht: "Chemnitz hat eine Schauspielbühne verdient."
Er warnt erneut vor einer Halbierung des Angebots, weniger Vorstellungen, schlechteren Bedingungen und einer "kulturellen Selbstverstümmelung" auf offener Bühne.
Kritik wächst: Stürzt Kulturhauptstadt Chemnitz in "Kulturlosigkeit" ab?
Auch außerhalb des Theaters wächst der Widerstand weiter.
Der angesehene Viadukt-Verein spricht von einem "Absturz von der Kulturhauptstadt in die Kulturlosigkeit" und nennt die Idee einer gemeinsamen Spielstätte im Opernhaus ein Signal des Kulturabbaus.
Vereins-Chef Johannes Rödel (58) sagt, der Vorschlag bedeute "eine drastische Kürzung der kulturellen Angebote", sei "ein Eingriff der kommunalen Politik in den Theaterbetrieb" und löse nebenbei weder die Zukunft des alten Schauspielhauses noch die offenen Probleme am Opernhaus sauber.
Der Verein fordert stattdessen Geld für beide Häuser - fürs Schauspiel und für die Oper.
OB Sven Schulze (54, SPD) hatte den Kurswechsel mit dem Hinweis verteidigt, es gebe Vorbehalte gegen den Neubau am Spinnbau und den Wunsch, Alternativen zu prüfen.