Sachse baut Gitarren aus Zigarrenkisten
Chemnitz - Vom singenden Pfefferkuchen zum Gitarrenbauer: Der Chemnitzer Musiker Torsten Turinsky (60) sorgt für handgemachte Musik. Seine Faszination: Bluesmusik. So sehr, dass er Saiteninstrumente aus alten Zigarrenkisten baut - ganz im Stil echter Blues-Legenden.
Sein musikalischer Weg begann im Kinderchor der Theater Chemnitz. Mit acht Jahren hatte er seinen ersten Auftritt als verzauberter Pfefferkuchen bei "Hänsel und Gretel".
Doch seine wahre Liebe war immer die Gitarre. "Die Gitarre hat mich ausgesucht", sagt er. Mit elf Jahren baute er sich sein erstes Instrument - aus Holz, Pappe und später sogar mit Angelschnur als Saiten. Seine Mutter schenkte ihm daraufhin eine echte Gitarre.
Das Interesse am Chor ließ nach, andere Musikgenres rückten in den Fokus. Prägend: die Amiga-Platte von Bluesmusiker Big Bill Broonzy. "Ich habe die als Jugendlicher das erste Mal gehört und gedacht: 'Wie kann man so spielen?' Das hat mich völlig umgehauen."
Der Blues brachte Turinsky auch ins Konservatorium: "Ich hatte mich mit 'Bourée' von Bach beworben. Dem Lehrer reichte das nicht, also habe ich einen Blues improvisiert und sie haben mich genommen."
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Solo-Musiker spielt Beatles, Bach und eigene Songs
So sehr ihn die Musik fasziniert, gibt es ein Problem: "So richtig spielen kann ich Blues nicht. Dafür fehlt mir das Gefühl, da ich nicht in den Südstaaten der USA aufgewachsen bin."
Denn Blues entstand ursprünglich um 1900 in den USA aus den Arbeitsliedern afroamerikanischer Sklaven. Turinsky zog es daher in andere Genres.
In den 90ern gründete er sein erstes Jazz-Trio. Mittlerweile ist er als Solomusiker unterwegs und zeigt sich mit Beatles, Bach und eigenen Songs musikalisch vielseitig.
Inspiriert von seinem Blues-Vorbild Seasick Steve baut der gelernte Werkzeugbauer Gitarren aus Zigarrenkisten. Dabei nutzt er manchmal auch Katzenfressnäpfe oder Schrauben als Gitarrensteg.
Authentisch, denn: "Die Idee kommt aus einer Zeit, in der Leute sich mit einfachsten Mitteln helfen mussten."
Titelfoto: Bildmontage: Uwe Meinhold (2)

