Zwischen Tweet, Tourbus und Tausenden Fans: Bushidos DJ kommt aus Chemnitz
Chemnitz - Im Interview sitzt er ruhig da, trinkt lieber "einen Kaffee oder einen Tee" als "einen Energy nach dem nächsten" und wirkt eher wie ein Student als jemand, der gerade vor Tausenden Menschen auf einer der größten Rap-Bühnen Deutschlands zusammen mit Bushido (47) stand. Seinen echten Namen hält er geheim, für die Öffentlichkeit bleibt er der Tour-DJ "Rabe" (20) – obwohl er eigentlich nie geplant hatte, Discjockey zu werden.
Seine Geschichte beginnt unspektakulär. "Musik hat schon immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt", sagt er. Als Kind steht er backstage bei Udo Lindenberg (79), überreicht selbst gemalte Bilder.
Später schreibt er Gedichte, "inspiriert durch Schiller und Goethe". Kein typischer Rap-Start. Der Weg dahin ist alles andere als geschniegelt. Instrumente? "Hab' ich probiert, aber schnell wieder abgebrochen. War zu dösig." Also geht er einen anderen Weg: Laptop auf, Beats basteln, Texte schreiben. "Das Songwriting hat mir immer mehr Spaß gemacht."
Er wuchs in Chemnitz auf, studiert demnächst Germanistik. Ein Plan B sei da, aber die Musik bleibt. "Meine Eltern haben mich immer unterstützt", sagt er. Vor allem seine Mutter habe ihn geprägt, "dranzubleiben an der Sache".
Der Sprung in Bushidos Welt passierte nicht im Studio, sondern im Internet. Er folgte ihm, kommentierte, blieb dran. "Dann sind wir irgendwann ins Gespräch gekommen."
Aus Fan wurde Kontakt und plötzlich wurde es ernst. Die Einladung zur Tour? Kein Anruf, kein Manager. Ein Tweet: "Ey, @Rabe, du hast auf der kompletten Tour einen Triple-A-Pass." Mehr Ansage geht nicht. Plötzlich war er Teil der Tour.
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So läuft der Tour-Alltag
Der Chemnitzer fuhr mit, erst als Fan im Hintergrund. Tourbus, Hallen, Crew. "Ich habe mich einfach gefreut, dass ich die Chance bekomme." Große Erwartungen? Keine. Dann fiel der eigentliche DJ aus. "Da bin ich dann spontan als DJ eingerückt, ohne dass ich jemals Erfahrung hatte mit DJing." Einweisung beim Soundcheck und dann raus auf die Bühne.
Was folgte, war noch verrückter. Bei einem Song sollten eigentlich Fans rappen. Die konnten den Text nicht. Er regte sich darüber auf. Kurz vor dem Auftritt sagte Bushido: "Wenn du der Meinung bist, dass du es besser kannst, machst du das heute."
Seine Antwort: "Ja, okay." Er rappte. Es funktionierte. Bushido entschied: "Wenn du willst, machst du das jetzt jeden Abend." Und genau das tat er.
Der Alltag auf Tour war weniger Glamour als man denkt. Stundenlang warten, im Backstage sitzen, Zeit totschlagen. "Wir haben dort nichts zu tun." Erst kurz vor der Show wurde es ernst. Dann Bühne, Licht, Menschenmassen und trotzdem bleibt er erstaunlich nüchtern. Selbst den peinlichsten Moment erzählt er trocken: Nach einer Backstage-Party "wurde ich irgendwann rausgetragen aus der Halle". Am nächsten Tag: Nachricht von Bushido – mit Bildern.
Und die Zukunft? "Ich strebe jetzt keine Karriere als DJ an." Das war eine Rolle, ein Zufall. Sein Ziel: eigene Musik. Ein Album ist in Arbeit. "Ich bin sehr perfektionistisch", sagt er. "Ich nehme alles so, wie es mir zufliegt." Er lebt spontan, sagt er, und kommt damit gut klar. Nur eine Sache steht fest: egal, wie weit es noch geht, Chemnitz bleibt. "Es ist meine Heimat."
Titelfoto: Bildmontage: Philip Osajda, Sven Gleisberg

