Dieser Stadthistoriker hütet das Gedächtnis von Chemnitz

Chemnitz - Er kann zeigen, wie sich Chemnitz seit der Jahrhundertwende verändert hat: Hobby-Historiker Sandro Schmalfuß (44) sammelt historisches Foto- und Filmmaterial und hält damit das Gedächtnis der Stadt am Leben.

Einblicke in die Filmgeschichte entdeckt Stadthistoriker Sandro Schmalfuß (44) auf alten Filmrollen.
Einblicke in die Filmgeschichte entdeckt Stadthistoriker Sandro Schmalfuß (44) auf alten Filmrollen.  © Ralph Kunz

Das Filmarchiv Chemnitz dokumentiert stadtprägende Ereignisse wie die Zeppelin-Landung 1930, "Nischel"-Enthüllung 1971 oder Kaufhof-Weihe 2001.

Seit zehn Jahren gibt es das Filmarchiv nun schon und wird regelmäßig um spannende Dias oder Schmalfilme erweitert. "Es hat damit angefangen, dass ich wissen wollte, wie das Vorkriegs-Chemnitz aussah", erinnert sich Sandro Schmalfuß.

Er ging auf Spurensuche, unter anderem im Stadt- und Bundesarchiv. Leider war nur wenig Material auffindbar.

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"Ich denke, vieles ist verschollen oder wurde damals in Kinos gezeigt, die alle im Krieg zerstört wurden – und mit ihnen die Kopien. Außerdem gibt es immer weniger Sammler."

Rund 200 Filmrollen hat der Chemnitzer archiviert. Hinzu kommen etliche digitale Kopien und Fotoaufnahmen.

Einblick in den Vorkriegs-Alltag auf Chemnitzer Straßen.
Einblick in den Vorkriegs-Alltag auf Chemnitzer Straßen.  © Repro: Filmarchiv Chemnitz
Die Landung eines Zeppelins im Jahr 1930 in Chemnitz.
Die Landung eines Zeppelins im Jahr 1930 in Chemnitz.  © Repro: Filmarchiv Chemnitz

Spannende Aufnahme: Die Enthüllung des Karl-Marx-Monuments am 9. Oktober 1971

Die feierliche Enthüllung des Karl-Marx-Monuments am 9. Oktober 1971.
Die feierliche Enthüllung des Karl-Marx-Monuments am 9. Oktober 1971.  © Repro: Filmarchiv Chemnitz

Das Material kauft er meist aus Privatbesitz an. "Da sind dann Familienausflüge drauf, alte Straßenbahnen und spannende alte Stadtansichten."

Es existieren beispielsweise Aufnahmen von Filmpionier Guido Seeber (1879-1940, "Seeberplatz"), Ansichten des Ortsteils Harthau von 1928, die Vergabe von Weihnachtsgeschenken der Wanderer-Werke AG an die Belegschaft Mitte der 1930er-Jahre, vom Flussbad Altchemnitz um 1951 und viele mehr.

"Besonders beliebt ist die Enthüllung des Karl-Marx-Monuments vom 9. Oktober 1971." Filmproduktionsfirmen würden regelmäßig danach fragen. Aber auch Schmalfuß freut sich über Angebote von Sammlern.

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Seit 2012 veranstaltet er nebenbei auch Film-Themenabende. Das nächste Event unter dem Titel "Als Sozialismus war - Chemnitz in den 1960er Jahren" findet am morgigen Mittwoch, 19 Uhr, im Restaurant Pelzmühle statt. Eine Anmeldung ist unter www.filmarchiv-chemnitz.de erforderlich.

Titelfoto: Repro: Filmarchiv Chemnitz, Ralph Kunz

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