Chemnitz - Am Donnerstag- und Freitagabend wurde in der "Stadtwirtschaft" heiß diskutiert: Wie geht es weiter mit dem Chemnitzer Schauspielhaus?
Grundlage waren neue Berechnungen der Dresdner Beratungsfirma Drees & Sommer: 50 Millionen Euro würde die Sanierung des alten Schauspielhauses kosten, mit Ausbau (für Figurentheater und Studiobühne) 69 Mio. Euro.
Rathaus und Theater favorisieren einen Neubau am Spinnbau, der zwischen 56 Mio. (neues Schauspielhaus) und 75 Mio. Euro (mit zweitem Neubau für Werkstätten, Lager etc.) kosten würde.
Alles klar? Nicht ganz: "Inwieweit wurde der Faktor Zeit berücksichtigt?", fragte Theatergängerin Andrea Wagner. Baubürgermeister Thomas Kütter (49, parteilos): "Um die fünf Jahre wird es brauchen, um alles zu errichten."
Die Schauspielhaus-Sanierung ohne Anbau wäre in vier Jahren möglich - also frühestens 2029/30.
Mahnung der Chemnitzer Architektin Kerstin Bochmann: "Unsere Innenstadt blutet aus!"
"Sind auch andere Standorte geprüft worden?", wollte Robert Assmann von der Chemnitzer Volksbühne wissen. Ja, versichert Kütter: "Aber für jede andere verfügbare Freifläche in der Innenstadt kommt man auf geschätzte Baukosten von 200 Millionen Euro." Applaus gab es für die Mahnung der Chemnitzer Architektin Kerstin Bochmann: "Unsere Innenstadt blutet aus!"
Und Alexander Borg sorgte sich: "Wenn man sich für den Spinnbau entscheidet: Was wird dann aus unserem Schauspielhaus?" Kütter: "Es geht darum, das Haus im Rahmen des Denkmalschutzes weiterzuentwickeln." Der ASB habe bereits Interesse signalisiert, das direkt angrenzende Pflegeheim zu erweitern.
Was Besucherin Evelyn Schubert aussprach, dachten sich offenbar viele - und darauf gab es keine ergiebige Antwort: "Wo sollen die Millionen für den Neubau herkommen?"