Trauer um Chemnitzer VW-Legende Carl Hahn (†96): Sein Herz schlug für Sachsen

Chemnitz - Eine Legende ist nicht mehr. Der frühere VW-Chef und Ehrenbürger der Stadt Chemnitz, Carl Hahn jun., starb im Alter von 96 Jahren.

Geboren in Chemnitz: Carl Hahn (1926-2023).
Geboren in Chemnitz: Carl Hahn (1926-2023).  © dpa/Jochen Lübke

"Mit Carl Hahn verlieren wir einen großartigen Unternehmer und Menschen, der seiner Geburtsstadt immer verbunden geblieben ist", sagt OB Sven Schulze (51, SPD).

"Er hat persönlich maßgeblich dazu beigetragen, dass sich der traditionsreiche Automobilstandort Chemnitz nach 1990 neu aufstellen und wirtschaftlich erfolgreich entwickeln konnte." Hahn hatte dem Rathaus zuletzt vor eineinhalb Jahren seine Aufwartung gemacht.

Er war am Samstag in Wolfsburg verstorben. Von 1982 bis 1993 fungierte er dort als Chef des Automobilkonzerns. "Die Mannschaft verneigt sich dankbar vor seinem Lebenswerk für uns und unser Unternehmen und wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren", so VW-Personalvorstand Gunnar Kilian (48).

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Hahns Leben ist eine Zeitreise durch sächsische Industriegeschichte. Geboren wurde er 1926 in Chemnitz. Sein Vater, Carl sen. (1894-1961), war zu diesem Zeitpunkt bereits Vorstand beim Zschopauer Motorradhersteller DKW. Sechs Jahre darauf, 1932, war er Mitbegründer der "Auto Union AG", die aus den vier Marken Audi und Horch (Zwickau), Wanderer (Chemnitz) sowie DKW (Zschopau) entstand.

Der Sohnemann studierte Betriebswirtschaft an den Unis Köln und Zürich und später noch Volkswirtschaft in Bristol. In Frankreich hing er Politikwissenschaften dran, worin er auch promovierte. Es folgte ein Studium der Kunstgeschichte in Italien. Nächste Station war Fiat.

Carl Hahn jun. als Baby in den Armen seiner Eltern 1926.
Carl Hahn jun. als Baby in den Armen seiner Eltern 1926.  © Repro: Sven Gleisberg
Ihre alten Herren waren sich noch spinnefeind: Carl Hahn mit dem Enkel (v.) von DKW-Gründer Rasmussen 2021 in Zschopau.
Ihre alten Herren waren sich noch spinnefeind: Carl Hahn mit dem Enkel (v.) von DKW-Gründer Rasmussen 2021 in Zschopau.  © dpa/Hendrik Schmidt

Seine Heimat hat Hahn nie vergessen

In dieser Villa auf dem Kapellenberg wohnte Hahn vor dem Zweiten Weltkrieg. Hier bei einem Besuch mit seiner Frau 2014.
In dieser Villa auf dem Kapellenberg wohnte Hahn vor dem Zweiten Weltkrieg. Hier bei einem Besuch mit seiner Frau 2014.  © Kristin Schmidt

Zu VW kommt er 1953 - als Assistent von Firmenchef Heinrich Nordhoff (1899-1968). Von da ab geht es steil aufwärts: ab 1954 als Leiter der Exportförderung, 1959 bis 1964 als Chef der VW-Amerika-Sparte. Ab 1965 als Vorstandsmitglied und Verkaufs-Chef in Wolfsburg.

Im Kampf um die vier (Audi-)Ringe, die sein Vater 40 Jahre zuvor etablierte, verlässt Hahn 1972/73 VW, um 1982 als neuer Mann an der Spitze des Gesamtkonzerns zurückzukehren.

Die Heimat hat er nie vergessen: Bereits 1984 steht ein Vertrag, mit dem sein Konzern die Fühler nach Westsachsen ausstreckt. Die Chemnitzer Ehrenbürgerwürde hatte er seit 1994 inne. Seit 2002 wirkte er als Honorarprofessor an der Hochschule Zwickau.

Benzin im Blut: Professor Hahn 2013 in Chemnitz bei der Oldtimer-Rallye "Sachsen Classic".
Benzin im Blut: Professor Hahn 2013 in Chemnitz bei der Oldtimer-Rallye "Sachsen Classic".  © Peter Zschage
Die ehemalige Firmenzentrale der "Auto Union" in der Chemnitzer Scheffelstraße.
Die ehemalige Firmenzentrale der "Auto Union" in der Chemnitzer Scheffelstraße.  © Maik Börner

VW-Motoren aus Karl-Marx-Stadt

Carl Hahn 2013 im Zwickauer Horch-Museum. Im Hintergrund der erste sächsische VW. Er lief 1990 vom Band.
Carl Hahn 2013 im Zwickauer Horch-Museum. Im Hintergrund der erste sächsische VW. Er lief 1990 vom Band.  © Propicture/Ralph Koehler

VW und Sachsen, das ist keine Geschichte, die erst mit der Wiedervereinigung beginnt. Bereits 1984 unterzeichnet der Konzern unter Hahn mit dem Industrieverband Fahrzeugbau der DDR einen Kooperationsvertrag.

Der Plan: Ab 1988 sollen im Barkas-Motorenwerk Karl-Marx-Stadt VW-Vierzylinder-Motoren produziert werden, die auch für den neuen Trabant 1.1 gedacht sind. Es kommt nicht nur anders, es kommt besser.

Im Mai 1990 wird noch unter der Regie von IFA in Zwickau-Mosel die neue Fertigungsstätte für den Trabi mit VW-Motor und die VW-Polo-Montage in Betrieb genommen. Im Dezember gründet sich die Volkswagen Sachsen GmbH.

Mitte Februar 1991 laufen der erste sächsische Golf und der erste sächsische Polo vom Band.

Titelfoto: dpa/Jochen Lübke/Kristin Schmidt/Peter Zschage

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