Kuriose Touri-Attraktion in Sachsen: Hier tuckert etwas ganz Besonderes über die Gleise

Rochlitz - Wer hat nicht schon davon geträumt: einmal mit dem Zug quer durch Amerika! Mittelsächsische Eisenbahnfreunde aus Rochlitz machen es möglich - dafür muss man nicht mal übern großen Teich. Und um das Angebot noch zu toppen, findet die Fahrt in einem seltenen Trabi statt.

Winke, winke. Der mittelsächsische Schienentrabi zählt zu den kuriosesten Ausflugsmöglichkeiten im Freistaat.
Winke, winke. Der mittelsächsische Schienentrabi zählt zu den kuriosesten Ausflugsmöglichkeiten im Freistaat.  © Ralph Kunz

Der am weitest gereiste Gast? Thomas Krauß (57) muss nur kurz überlegen: "Kam aus Japan. Der Herr hatte das Ticket von seiner Heimat aus gebucht, bevor er anreiste." Es ist ja aber auch zu schräg. Da fährt mitten in Sachsen auf echten Bahngleisen ein offenes Vehikel, das es so nur im Osten Deutschlands gibt.

"Konstruiert und gebaut wurde es als Inspektionsfahrzeug der Deutschen Reichsbahn", erklärt Krauß, der guter Geist, Mechaniker und Fahrer dieser sächsischen Attraktion ist. "Vorgestellt wurde das Gefährt erstmals 1959. Übrigens sehr öffentlichkeitswirksam Unter den Linden in Berlin."

1960 entstand dann im Forschungs- und Entwicklungswerk der Reichsbahn in Blankenburg die erste Serie. Rund 50 Stück, schätzt Krauß. Entwickelt worden war das kleine Fahrzeug in Berlin-Adlershof.

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"Motor und Getriebe sind tatsächlich vom Trabant. Nämlich vom runden Trabant 500, der ja 1957 rauskaum", so Krauß weiter. Der Mann weiß, wovon er spricht. Immerhin ist er im "richtigen" Beruf KfZ-Mechaniker, hat am PKW Trabant gelernt.

Unterwegs quert die Fuhre auch die Brücke vorm Göhrener Viadukt.
Unterwegs quert die Fuhre auch die Brücke vorm Göhrener Viadukt.  © Ralph Kunz
Fahrer und Mechaniker in einer Person: Thomas Krauß (57).
Fahrer und Mechaniker in einer Person: Thomas Krauß (57).  © Ralph Kunz
Der Schienentrabi und ein Moped-Kollege bei der Vorstellung in Ost-Berlin 1959.
Der Schienentrabi und ein Moped-Kollege bei der Vorstellung in Ost-Berlin 1959.  © Sammlung VSE
Bereits in den 1970ern landeten viele der Inspektionsfahrzeuge auf dem Abstellgleis.
Bereits in den 1970ern landeten viele der Inspektionsfahrzeuge auf dem Abstellgleis.  © Detlef Radke
Das Maskottchen der Trabi-Flotte.
Das Maskottchen der Trabi-Flotte.  © Ralph Kunz

Seit 2009 können Touristen mit dem Schienentrabi durch Mittelsachsen tuckern

Als gelernter KfZ-Mechaniker kann Fahrer Krauß schnell selbst Hand anlegen, wenn es irgendwo klemmt.
Als gelernter KfZ-Mechaniker kann Fahrer Krauß schnell selbst Hand anlegen, wenn es irgendwo klemmt.  © Kunz

Die Ära der Schienentrabis ging bereits in den 1970ern und 1980ern zu Ende. Sie wurden ausgemustert. Wohl kaum jemand außer Bahnern würde sich noch heute an sie erinnern, wenn nicht der Verein der Eisenbahnfreunde Schwarzenberg 2002 eine verrückte Idee gehabt hätte: die stillgelegte Strecke der Muldentalbahn zu bespielen.

Auf erste kleine Fahrten folgten 2005 richtige Versuche. 2007 begannen die Enthusiasten dann, die Strecke freizuschneiden; 2009 gab es grünes Licht von der Landesbahnbehörde. Noch im Juni 2009 konnte der Verkehr für Touristen aufgenommen werden.

Inzwischen fahren die gelben Wägelchen auf der längsten Strecke (Rochlitz-Penig) 21 Kilometer. In Penig quert man dann auch das Örtchen Amerika. Pro Tour und Trabi finden zehn Personen Platz. "Momentan haben wir drei betriebsfähige Wagen", berichtet Krauß, der mit seinen Kollegen für die Tätigkeit als Fahrer spezielle Schulungen durchlaufen hat und für den Betrieb ein eigenes Eisenbahnverkehrsunternehmen gründete.

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Ein weiterer Trabi wird gerade aufgearbeitet. Ein fünfter harrt seiner Wiedergeburt. In diesem Zusammenhang haben Krauß und Kollegen eine Bitte: "Über Hinweise zur Entstehung, Einsatz und Verbleib der Fahrzeuge sind wir dankbar." Kontakt könnt Ihr über die Mail-Adresse fahrer@schienentrabi.de aufnehmen.

Titelfoto: Ralph Kunz

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