Ahorn-Drama in Chemnitz: Polizei beendet Baum-Besetzung - Fällung gestartet
Chemnitz - Der Streit um den mehr als 100 Jahre alten Ahorn in der Further Straße endete am Dienstagnachmittag abrupt: Unter Polizeischutz wurde der Baum in Chemnitz gefällt, eine Anwohnerin in Gewahrsam genommen. Zurück bleiben fassungslose Nachbarn - und ein Bauherr, der sich im Recht sieht.
Bereits am Morgen gegen 8 Uhr war eine Fällfirma mit Kran angerückt, um den Baum zu entfernen. Anwohnerin Elžběta Laabs (46) stellte sich dem entgegen.
Ihr Mann Stefan kletterte erneut in den Baum, um die Arbeiten zu verhindern. Da eine Fällung mit einer Person im Geäst nicht möglich war, zogen die Beamten zunächst wieder ab.
Jedoch rückte einige Stunden später die Polizeimit einem größeren Aufgebot an, um die Fällung abzusichern.
Der Bauherr kündigt eine Ersatzpflanzung an
Gegen 16 Uhr war der alte Ahorn schließlich Geschichte. Viele Nachbarn reagierten geschockt, manche mit Tränen in den Augen. Vera Luther (35) sagt: "Hier werden 100 Jahre in einer Stunde platt gemacht. Das macht uns alle fassungslos." Aber auch Wut mischte sich in die Gefühle der Anwohner: "Die Sache wird noch ein rechtliches Nachspiel haben", meint Anwohner Andreas Fiedler (61).
Bauherr Michael Oberacher (66) verteidigte sein Vorgehen: "Die Fällgenehmigung der Stadt ist gültig. Der Baum war nicht standsicher und musste weichen." Er kündigte Ersatzpflanzungen an.
Der Baum musste für den Bau einer neuen Tiefgarage mit rund 38 Stellplätzen gefällt werden. Dazu soll noch ein Wohnhaus gebaut werden. Es gab vorab bereits zwei Fällversuche, die verhindert werden konnten.
Erstmeldung: 9. September, 15.52 Uhr, zuletzt aktualisiert: 18.50 Uhr
Titelfoto: Kristin Schmidt
