Arbeitsagentur schlägt Alarm: Immer mehr Jugendliche bleiben ohne Lehrstelle
Chemnitz - Schlechte Nachrichten vom sächsischen Ausbildungsmarkt: Immer mehr Jugendliche finden keinen Ausbildungsplatz. Gleichzeitig bleiben mehr als 1500 Lehrstellen unbesetzt. Die wirtschaftliche Flaute macht sich inzwischen auch bei der Nachwuchssuche bemerkbar.
Zum 30. September waren in Sachsen 18.733 Jugendliche als Ausbildungsbewerber registriert. Dem standen 19.922 gemeldete Ausbildungsstellen gegenüber. Das waren 0,2 Prozent mehr als im Vorjahr.
In den Jahren davor waren allerdings jeweils mehr als 20.000 Ausbildungsplätze (2021 - 2024) gemeldet worden. Doch die Zahlen passen nicht zusammen: 1643 Jugendliche waren weiterhin unversorgt, 373 mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig blieben 1539 Lehrstellen frei.
"Erstmals seit 2009 gibt es wieder mehr unversorgte Bewerber als unbesetzte Ausbildungsstellen", resümiert Klaus-Peter Hansen (63), Chef der Regionaldirektion Sachsen der Arbeitsagentur.
Nur in Südwestsachsen gibt es mehr freie Lehrstellen als unversorgte Bewerber: 672 stehen dort 445 Jugendlichen gegenüber.
Chemnitzer Unternehmen setzt bei Nachwuchsgewinnung auf Kreativität
Auch die Unternehmen spüren den Gegenwind. "Nur jedes zehnte Unternehmen schaut wirklich sehr optimistisch in die Zukunft", erklärt Max Jankowsky (33), Präsident der IHK Chemnitz. Weniger Aufträge und unsichere Perspektiven machten es Betrieben schwerer, in den Nachwuchs zu investieren.
Wie Nachwuchsgewinnung funktionieren kann, zeigt die Heinrich Schmid Gruppe in Chemnitz. Dort lernen aktuell 46 Handwerks-Azubis, elf davon starteten allein in diesem Jahr.
"Wir arbeiten eng mit Schulen zusammen, sind auf Messen und veranstalten eigene Formate. Dazu setzen wir beim Recruiting immer mehr auf Social Media", so Geschäftsbereichsleiter Uwe Schulze (65).
Einer der Nachwuchskräfte ist Maximilian Helm (20). Er ist seit einem Jahr dabei. "Ich bin dualer Student, mache gerade eine verkürzte Ausbildung und studiere dann", sagt er.
Titelfoto: Jasmin Beisiegel/dpa

