Baustellenservice vom Chemnitzer Rathaus lässt viele Fragen offen

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Chemnitz - Baustellen gibt es in Chemnitz genug. Das Verkehrs-Chaos beginnt oft schon bei der Suche nach den Infos. Erst im vergangenen Jahr hatte das Rathaus seinen digitalen Baustellenservice nachgeschärft, nachdem die CDU Ende 2023 im Stadtrat eine bessere Bürgerinformation durchgedrückt hatte. TAG24 hat den Service (Stichtag: Freitag, 6. März) mit aktuellen, von der Stadt angekündigten Sperrungen getestet. Das Ergebnis: Wer Glück hat, findet seine Baustelle - aber sicher ist das nicht.

Michael Specht (40, CDU) fordert beim Chemnitzer Baustellenservice ein aktives Infosystem per Newsletter, damit Anwohner und Pendler Sperrungen künftig automatisch gemeldet bekommen.
Michael Specht (40, CDU) fordert beim Chemnitzer Baustellenservice ein aktives Infosystem per Newsletter, damit Anwohner und Pendler Sperrungen künftig automatisch gemeldet bekommen.  © Uwe Meinhold

Bis dahin ist es allerdings ein Hindernislauf. Auf der Seite "Verkehrseinschränkungen und Baustellenservice" verspricht eine Karte mit Suchfunktion schnellen Überblick. Weiter unten führt ein gesonderter Link ins eigentliche Baustelleninformationssystem. Zwei Einstiege, zwei Ebenen, zwei Systeme.

Das Rathaus erklärt, auf der Startseite sollten "schnell auf dem ersten Blick die wichtigsten Baustellen im Hauptnetz angezeigt werden".

Für "individuelle Anfragen und Informationen über die Baumaßnahmen innerhalb der Stadt Chemnitz" müsse der Nutzer weiterklicken.

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Ein erster Test zeigt: Weder die Baustelle Chopinstraße noch die Verkehrseinschränkung Kaßbergstraße sind ohne Weiteres zu finden. Zur Chopinstraße teilt die Stadt mit, sie sei keine "Baustelle im Hauptstraßennetz der Stadt Chemnitz": "Aus diesem Grund erfolgt nur die Veröffentlichung im Baustellenatlas."

Um die Baustelle auf der Chopinstraße zu finden, muss man auf chemnitz.de lange klicken.
Um die Baustelle auf der Chopinstraße zu finden, muss man auf chemnitz.de lange klicken.  © Ralph Kunz
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Ist das System zur Baustellen-Info auf chemnitz.de zu sperrig und benutzerunfreundlich?
Ist das System zur Baustellen-Info auf chemnitz.de zu sperrig und benutzerunfreundlich?  © Ralph Kunz

Warum taucht Kaßbergstraße nicht im System auf?

Die Verkehrseinschränkung auf der Kaßbergstraße taucht auf der städtischen Service-Homepage "Verkehrseinschränkungen" gar nicht auf.
Die Verkehrseinschränkung auf der Kaßbergstraße taucht auf der städtischen Service-Homepage "Verkehrseinschränkungen" gar nicht auf.  © Ralph Kunz

Noch schräger ist der Fall Kaßbergstraße. Dort gilt eine Einbahnstraßenregelung, die für Verkehrsteilnehmer ganz real ist, im System aber nicht auftaucht.

Die Stadt schreibt: "Die Einbahnstraße Kaßbergstraße ist keine Baustelle, sondern eine verkehrsregelnde Maßnahme. Die Darstellung im Baustellenatlas ist systembedingt nicht möglich."

Stadtrat Michael Specht (40, CDU) bringt das Kernproblem auf den Punkt: "Den Bürger interessiert es nicht, wer die Baustelle verursacht oder ob es eine Straße mit überregionaler Bedeutung ist. Nur, ob sie zu seinem Haus geht oder nicht."

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Und weiter: "Alles sollte in einer Karte sein. Es geht ja auch keiner in den Supermarkt und sucht die eine Milch im Milchregal, die nächste irgendwo anders neben dem Käse."

Digitale Sackgasse

Kommentar von Raik Bartnik

Wer auf der städtischen Homepage chemnitz.de wissen will, wo gebaut wird, landet schnell in einer digitalen Sackgasse. Dabei ist die Idee hinter dem Baustellenservice eigentlich richtig: Der Nutzer soll auf einen Blick sehen, wo es Einschränkungen gibt, welche Straßen betroffen sind und worauf sie sich einstellen müssen.

Genau daran hapert es aber in der Praxis. Denn die städtische Baustelleninfo wirkt nicht wie ein Service aus einem Guss, sondern wie ein System, das in einer Amtsstube gebaut wurde. Auf der Seite wird eine Karte mit Suchfunktion präsentiert, als könne man sich schnell und einfach orientieren. Nur: Die Suche funktioniert bei meiner Stichprobe gar nicht. Wer wirklich Informationen sucht, muss weiter nach unten scrollen und noch einmal extra in ein anderes System klicken. Das ist kein nutzerfreundlicher Service, das ist ein Umweg mit Ansage.

Besonders unerquicklich wird es, wenn konkrete Straßen gesucht werden und diese auf der Hauptseite gar nicht auftauchen. Genau da beginnt das eigentliche Problem. Der Nutzer geht selbstverständlich davon aus, dass eine Baustellenübersicht auch Baustellenübersicht bedeutet.

Die Stadt sieht das anders. Sie unterscheidet zwischen dem Hauptstraßennetz und allem, was offenbar als zweitrangig gilt, zum Beispiel die Chopinstraße. Oder noch kurioser: wenn die Einschränkung nicht als Baustelle, sondern als verkehrsregelnde Maßnahme klassifiziert wird - aktuell in der Kaßbergstraße. Für den, der morgens ins Auto steigt oder mit dem Rad durch die Stadt muss, ist es völlig egal, ob die Einschränkung als Baustelle, Maßnahme oder Systemproblem firmiert. Entscheidend ist allein, dass sie da ist.

Wer Informationen anbietet, muss sich an der Lebenswirklichkeit der Nutzer orientieren und nicht an den Schubladen des eigenen Verwaltungsapparats.

Titelfoto: Bildmontage: Ralph Kunz, Uwe Meinhold

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