Chemnitz - Erst gestrichen, jetzt neu gedacht: In Chemnitz könnte es bald wieder ein Willkommensgeschenk für Neu-Chemnitzer geben - diesmal nicht als Bargeld, sondern als Gutscheinpaket. Erst vergangenen Herbst hatte der Stadtrat das Begrüßungsgeld für Studenten aus Spargründen gekippt. Jetzt wollen die Grünen Gutscheine für Stadtbad, Museen, Zoo oder Theater für alle Zugezogenen.
Angestoßen hat das Stadträtin Anna Lanfermann (35): "Die Abschaffung der 100 Euro war genau der Auslöser. Wir können dieses Geld viel sinnvoller einsetzen."
Statt pauschaler Auszahlung soll der Bonus Neubürger direkt in die städtischen Angebote locken. Ihre Rechnung: Wer neu ankommt, orientiert sich, probiert etwas aus - und kommt später als zahlender Gast wieder. "Dann gehen die Leute später vielleicht regelmäßig hin", sagt Lanfermann.
Doch genau da hakt die Kritik. Finanzbürgermeister Ralph Burghart (55, CDU) warnt: Die Haushaltslage sei weiter kritisch, neue freiwillige Leistungen dürften nicht entstehen.
"Jeder Gutschein würde einen Minderertrag bedeuten." Dafür brauche es eine Deckungsquelle.
Das sagen die Parteien zum Willkommens-Bonus
Auch politisch knirscht es. Kai Hähner (52, CDU) nennt den Vorstoß widersprüchlich: erst Sparbeschlüsse fassen, dann wieder neue Modelle anstoßen. Außerdem gebe es für Studenten bereits das Kulturticket.
Steffen Wegert (69, AfD) lehnt das Konzept ebenfalls ab: Gutscheine seien geldwerte Leistungen, die indirekt Steuergeld kosten. Ein echtes Begrüßungspaket sei für ihn eine sichere Innenstadt, "da hat die Stadt genug zu tun".
Beim BSW ist vor allem offen, wen Chemnitz überhaupt begrüßen will - Fachkräfte, Familien, Senioren oder Zugewanderte bräuchten unterschiedliche Angebote.
Linke und SPD reagieren grundsätzlich offen, bremsen aber mit Blick auf die unklare Finanzierung und fehlendes Personal.