Chemnitz - Hier wird nicht saniert, hier wird abgeräumt: An der Annaberger Straße in Chemnitz verschwindet ein kompletter Gehweg - und er soll auf absehbare Zeit auch nicht zurückkommen. Wo bislang Pflaster lag, wird künftig Rasen wachsen.
Betroffen ist die stadtauswärtige Seite zwischen dem Viadukt und der Treffurthstraße. Seit Anfang Juni lässt die Stadt dort bauen. Doch nachdem sich kaum ein Rad gedreht hatte, hakte Stadträtin Susanne Rasch (45, AfD-Stadtratsfraktion) im Rathaus nach.
Die mehr als überraschende Antwort von Baubürgermeister Thomas Kütter (50, parteilos): Der Gehweg verschwindet. Grund sei der marode Kragarm am Viadukt, über den der Geh- und Radweg bisher führte. Wegen seines schlechten Zustands war der Abschnitt bereits 2023 gesperrt worden.
Eine Reparatur wäre richtig teuer. "Ein Ersatzneubau des Kragarms würde finanzielle Mittel im siebenstelligen Bereich erfordern", erklärt Kütter. Das könne sich Chemnitz derzeit nicht leisten: "Dies ist im Haushalt in absehbarer Zeit nicht darstellbar."
Spätestens Anfang nächster Woche sollen Einschränkungen aufgehoben werden
Hinzu komme, dass nach Untersuchungen der Stadt bislang nur wenige Fußgänger den Abschnitt nutzten. Deshalb fiel die Entscheidung gegen eine millionenschwere Sanierung.
Das Pflaster wird herausgerissen, anschließend kommt Mutterboden darauf und Rasen wird ausgesät. Immerhin: Ein Teil der Steine konnte bei einer Baustelle auf der Bernsdorfer Straße wiederverwendet werden.
Spätestens Anfang nächster Woche will die Stadt die Arbeiten abschließen und die Einschränkungen auf der Fahrbahn aufheben. Dass die Baustelle zwischendurch ruhte, erklärt Kütter mit der Urlaubssaison und fehlendem Personal bei der beauftragten Firma.
Rasch sieht darin ein Warnsignal, das weit über diese eine Baustelle hinausgeht. "Der Rückbau mag in diesem konkreten Fall die sinnvollste Lösung sein. Aber wir müssen uns fragen, ob wir uns daran gewöhnen wollen, dass wir nicht mehr darüber sprechen, wann Infrastruktur saniert wird, sondern ob wir sie überhaupt noch erhalten können."