Chemnitz startet mit dem "Chemnitz-Cup": 5600 Mehrweg-Becher für die City

Chemnitz - Tschüss Einwegmüll, hallo "Chemnitz-Cup"! Mithilfe eines lokalen Pfandsystems für Mehrwegbecher will das Chemnitzer Rathaus den Verbrauch von Plastikmüll reduzieren. Damit kommt die Verwaltung dem ab 2023 gültigen Verpackungsgesetz zuvor. Zu Beginn wollen 23 Einrichtungen den sogenannten "Chemnitz-Cup" einführen.

Gastronomin Kati Grundmann (44) hat sich die ersten Mehrwegbecher gesichert.
Gastronomin Kati Grundmann (44) hat sich die ersten Mehrwegbecher gesichert.  © Ralph Kunz

Bislang gaben Händler und Gastronomen nur sporadisch Mehrwegbecher aus. "Wir nutzen seit einiger Zeit das System von 'Recup'. Allerdings hat sich das nicht durchgesetzt, weil es nur sechs Anlaufstellen in Chemnitz gab", erzählt Kati Grundmann (44) von Grundmanns Café.

Jetzt folgt also die große, lokale Lösung. Angeschoben haben die Idee Gastronomen und schließlich der Stadtrat mit einem Beschluss aus 2018. "Eine Arbeitsgruppe hat das Thema Ende 2021 auf den Weg gebracht", sagt Ordnungsbürgermeister Miko Runkel (61, parteilos).

Das Pfand-System funktioniert so: Konsumenten können den Mehrwegbecher ("Chemnitz-Cup") für 1 Euro Pfand erwerben und sich im Lieblingscafé befüllen lassen. Das nächste Getränk gibt's nach Rückgabe des alten Trinkgefäßes im frischen Becher. Alle Teilnehmer können das Pfand erstatten.

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Die erste Ladung von 5 600 Bechern im Chemnitz-Design sponsert die Stadt. Das Unternehmen "Relocal" sorgt für Nachschub. "Die Akzeptanz für 'Mehrweg' wächst. Im nächsten Schritt wollen wir Take-away-Behälter an die Gastronomen bringen und das System auf Festen etablieren", erzählt Chef Jens Preißler (43). Die Kunststoff-Becher bestünden aus recycelbarem PVC und seien für zwei Jahre Nutzungsdauer ausgelegt.

Die Einführung sei wichtig, da 2023 ein Verpackungsgesetz in Kraft tritt, das Gewerbetreibende zum Angebot einer Mehrwegalternative verpflichtet.

"Chemnitz-Cup" heißt die lokale Antwort auf Wegwerfbecher.
"Chemnitz-Cup" heißt die lokale Antwort auf Wegwerfbecher.  © Ralph Kunz
Mit dem neuen Pfandsystem will die Stadt Reinigungskosten für Plastikmüll sparen.
Mit dem neuen Pfandsystem will die Stadt Reinigungskosten für Plastikmüll sparen.  © Ralph Kunz
Sven Hertwig (51, "exclusiv events", v.l.), Ordnungsbürgermeister Miko Runkel (61) und Jens Preißler (43, "Relocal") setzen auf ein einheitliches Pfandsystem für Mehrwegbecher.
Sven Hertwig (51, "exclusiv events", v.l.), Ordnungsbürgermeister Miko Runkel (61) und Jens Preißler (43, "Relocal") setzen auf ein einheitliches Pfandsystem für Mehrwegbecher.  © Ralph Kunz

Pfand oder nicht? Das sagen die Chemnitzer

Lukas Nickolmann (18) findet das jeder den Euro für den Mehrwegbecher hat.
Lukas Nickolmann (18) findet das jeder den Euro für den Mehrwegbecher hat.  © Ralph Kunz

Lukas Nickolmann (18), Schüler:

"Vorher haben meine Eltern immer auf Mehrwegsachen geachtet, aber jetzt, so kurz vorm Studium, ist das natürlich bei mir ein Thema. Ich achte darauf, nicht so viel Plastikmüll zu verursachen."

"Den Euro für den Mehrwegbecher hat jeder", so der Schüler weiter.

Alexander Körner (40) findet ein einheitliches Pfandsystem gut.
Alexander Körner (40) findet ein einheitliches Pfandsystem gut.  © Ralph Kunz

Alexander Körner (40), Angestellter:

"Ein einheitliches Pfandsystem für Trinkbecher finde ich gut, und das sollte man auch sofort einführen. Ich finde es schade, wenn Einwegplastik weggeworfen wird und überall rumliegt."

"Ich selbst trinke zum Beispiel nur aus Glasflaschen", so Alexander Körner.

Kerstin Wagner (50) ist absolut dafür.
Kerstin Wagner (50) ist absolut dafür.  © Ralph Kunz

Kerstin Wagner (50), Angestellte:

"Ich bin absolut dafür! Im Haushalt achten wir immer darauf, kein Wegwerfgeschirr zu benutzen. Aus den dünnwandigen Plastikbechern trinkt es sich sowieso nicht so gut. Wir haben aber auch die Zeit dafür."

"Ich kann Leute verstehen, die im Stress sind und sich im Alltag nicht ständig Gedanken um so etwas machen können," findet Kerstin Wagner.

Pia Tomat (23) findet es gut, das solche Angebote geschaffen werden.
Pia Tomat (23) findet es gut, das solche Angebote geschaffen werden.  © Ralph Kunz

Pia Tomat (23), Studentin:

"Ich finde es gut und wichtig, dass die Leute immer mehr darauf achten müssen und jetzt solche Angebote geschaffen werden. Es spricht nichts dagegen, Pfand zu erheben."

"Man kann den Becher ja mit nach Hause nehmen oder einfach wieder abgeben", so die Studentin.

Titelfoto: Ralph Kunz (2)

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