Chemnitz - Unfassbar! Die deutschen Goalballer holten bei der Weltmeisterschaft in China Silber und sicherten sich damit direkt das Ticket für die Paralympics 2028 in Los Angeles. Mit dabei: Rouven Schetelich (31) vom Chemnitzer BC. Am Donnerstag trägt er sich gemeinsam mit seinem Teamkollegen Oliver Hörauf (29) in das Goldene Buch des Sports der Stadt Chemnitz ein.
Aufgrund eines Gendefekts verlor der Chemnitzer mit 21 Jahren sein Augenlicht. "Ich habe gerade eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann absolviert. Während der Prüfung ging alles sehr schleichend", erzählt Schetelich. Heute schätzt er seine Sehkraft auf etwa ein Prozent. Umrisse kann er noch erkennen.
Nach einer Umschulung zum Physiotherapeuten zog er von Dresden nach Chemnitz, wo ihn ein Mitbewohner erstmals mit Goalball in Kontakt brachte.
"Ich habe 15 Jahre lang Eishockey gespielt und hänge noch immer sehr daran", sagt der ehemalige Nachwuchsspieler der Dresdner Eislöwen. "Am Anfang war es schon schwer, sich auf eine neue Sportart einzulassen."
Fokus richtet sich auf die Europameisterschaft 2027 in der Schweiz
Seit 2019 spielt Schetelich für den Chemnitzer BC, seit 2023 gehört er zur Deutschen Nationalmannschaft. Nach EM-Bronze 2025 folgte im Juni 2026 WM-Silber in China und damit die direkte Qualifikation für die Paralympics.
"Eine Weltmeisterschaft und die Paralympics sind das Größte, was man als Sportler erreichen kann", sagt Schetelich. Dass die deutsche Mannschaft diesen Erfolg feiern konnte, empfindet er noch immer als kleine Sensation: "Wir sind alle Amateursportler. Goalball ist für uns ein Hobby. Mannschaften wie die USA trainieren deutlich häufiger."
Sein größter Albtraum bis Los Angeles? "Sich vorher zu verletzen oder krank zu werden." Zunächst richtet sich der Fokus aber auf die Europameisterschaft 2027 in der Schweiz.
Was ist Goalball?
Goalball wurde 1946 für Menschen mit Sehbehinderung entwickelt und gehört seit 1976 zum Programm der Paralympics.
Zwei Dreierteams spielen mit einem 1,25 Kilogramm schweren Klingelball auf ein neun Meter breites und 1,30 Meter hohes Tor.
Alle Spielerinnen und Spieler tragen blickdichte Dunkelbrillen, damit gleiche Bedingungen herrschen. Die Glocken im Ball helfen dabei, Richtung und Geschwindigkeit zu erkennen.
Ziel ist es, den Ball im gegnerischen Tor zu versenken und Würfe des Gegners zu blocken. "Es ist unfassbar anstrengend", sagt Schetelich. Das Spiel dauert zweimal zwölf Minuten. Führt ein Team mit zehn Toren, endet die Partie vorzeitig.