Chemnitz - Der Textilmaschinenbau in Chemnitz, einst wirtschaftliches Rückgrat der Stadt, wird zum Nischenprodukt. Eines der letzten traditionsreichen Unternehmen der Branche ist pleite: Die STC Spinnzwirn GmbH, deren Firmengeschichte 160 Jahre zurückreicht, hat wegen schlechter Auftragslage Insolvenz angemeldet. Betroffen sind 140 Mitarbeiter, davon sechs Azubis.
"Die Mitarbeiter waren überrascht und enttäuscht von der Situation", sagt Robert Fink (47) von der IG Metall.
Die Insolvenz steht symbolisch für einen schmerzhaften Wandel: "Die Branche war mal groß und stirbt langsam aus. Textilmaschinen sind nicht mehr das Zukunftsprodukt von Chemnitz."
Diese Einschätzung teilt IHK-Geschäftsführer für Standortpolitik, Martin Witschaß (42): "Die überragende Bedeutung der Branche ist stark zurückgegangen. In den 1990er-Jahren gab es noch mehr als 20 Textilmaschinenbau-Firmen, aktuell sind es noch vier. Die Firmen haben kaum noch Kunden, die in Europa ansässig sind. Gleichzeitig sind Chinas Kompetenzen im Maschinenbau gewachsen."
Die Folge: Die Mitarbeiterzahlen sind dramatisch geschrumpft. Aktuell arbeiten noch rund 500 Beschäftigte im Textilmaschinenbau.
Ende der 1980er-Jahre waren es allein 30.000 bei Textima, der damals als viertgrößter Hersteller weltweit galt.
Bei der STC Spinnzwirn läuft die Produktion am Standort in der Zwickauer Straße unter Regie des vorläufigen Insolvenzverwalters Joachim Voigt-Salus vorerst weiter: "Unser Ziel ist es, gemeinsam mit allen Beteiligten eine langfristige Lösung für das Unternehmen zu entwickeln", so der Rechtsanwalt. Dafür wird unter anderem nach neuen Investoren gesucht.