Chemnitz - Aus erbittertem Solar-Zoff wird ein zähneknirschender Frieden: Nach mehr als einem Jahr Streit um den geplanten Solarpark in Chemnitz-Glösa haben sich Bürgerinitiative und Investor auf einen Kompromiss geeinigt. Verhindern können die Anwohner die Anlage nicht - aber sie haben deutliche Zugeständnisse erreicht.
Der Solarpark zwischen der Eigenheimsiedlung an der Ammernstraße und der A4 sorgt seit 2025 für Ärger. Die erste Baugenehmigung war bereits im Juni 2024 erteilt worden. Viele Nachbarn erfuhren erst Monate später von dem Vorhaben, gründeten eine Bürgerinitiative und zogen vor Gericht.
Nun wird neu geplant. Statt der ursprünglich bekannten rund 26 Hektar umfasst die Anlage noch 18 Hektar. Die Solarmodule sollen rund 30 Meter Abstand zu den Häusern halten, dazu kommt ein etwa zehn Meter breiter Grünstreifen mit Bäumen und Sträuchern.
Die Transformatoren rücken Richtung Autobahn. Auch beim Brandschutz wird nachgebessert: Geplant sind eine Feuerwehrumfahrt und zwei Löschwasserzisternen. Zudem werden die Module anders ausgerichtet, um Blendungen zu reduzieren.
BI-Sprecherin Katrin Scherwenk (60) spricht trotzdem nicht von einem Sieg. "Das war das Maximum, was ich rausholen konnte", sagt sie. Ein weiterer Rechtsstreit wäre teuer und der Ausgang unsicher gewesen. "Das ist kein Sieg, aber es ist ein kleiner Schritt."
Stadt hat grünes Licht gegeben
Für die Änderungen musste die Münchner PV Chemnitz-Glösa GmbH einen neuen Bauantrag stellen. Die Stadt hat inzwischen grünes Licht gegeben.
Baubürgermeister Thomas Kütter (50, parteilos) lässt über eine Stadtsprecherin ausrichten: "Aus Sicht der Stadt Chemnitz handelt es sich um einen guten Kompromiss." Die Bürgerinitiative sei dabei "auf einen kooperativen Investor getroffen".
Die Anwohner bleiben sauer. "Unser Ärger ist nicht verflogen", sagt Scherwenk. Das Vorgehen der Stadt sei für sie weiterhin "ein kommunalpolitisches Totalversagen".
Kütter persönlich nimmt sie allerdings aus der Schusslinie. Er habe den Streit von seinem Vorgänger geerbt und sei beim Treffen mit den Anwohnern sachlich aufgetreten.
Auch dem Investor macht sie inzwischen weniger Vorwürfe. "Der Bauherr ist Unternehmer. Der hat grundsätzlich nichts falsch gemacht." Liebe zum Solarpark kommt dennoch nicht auf. Scherwenk: "Ich finde ihn immer noch ganz grässlich."