"Innovationscampus" Rabenstein: Naturschützer üben Kritik an geplantem Gewerbegebiet in Chemnitz
Chemnitz - Der Widerstand gegen den geplanten Innovationscampus Rabenstein wächst. Jetzt hat auch der Naturschutzbund (NABU) scharfe Kritik an dem nahe der A72-Abfahrt Rottluff geplanten Gewerbegebiet geübt.
"Das Projekt ist eine Sackgasse in der städtebaulichen Entwicklung und eine ökologische Mogelpackung", sagt Ben Fleischer (25), Chef des NABU-Regionalverbandes Chemnitz-Erzgebirge.
Auf rund 13 Hektar Ackerland - etwa 18 Fußballfelder - will die Stadt Platz für Technologieunternehmen schaffen und verspricht ein besonders nachhaltiges Gewerbegebiet. Doch der NABU hält schon den Standort für einen Fehler.
Chemnitz verfüge über rund 600 Hektar erfasste Brachen. Mehr als 423 Hektar davon seien nach Angaben der Naturschützer freie, unbebaute Flächen. "Sinnvoll wäre außerdem, alte Industriegebäude zu sanieren", sagt Fleischer.
Statt immer neue städtische Flächen zu verkaufen, müsse das Rathaus mit den Eigentümern solcher Brachen sprechen und gemeinsam marktfähige Konzepte entwickeln: "Die Stadt sollte eher als Vermittler auftreten als als Verkäufer."
Sorge um Frischluft
Als Beispiel nennt der NABU den Softwarekonzern Staffbase, der ein altes Fabrikareal in der Innenstadt wiederbelebt hat. Landes-Chefin Maria Vlaic (46) nimmt vor allem das Öko-Versprechen auseinander.
"Hier wird eine ökologische Leistung zerstört und anschließend ein schlechterer technischer Ersatz obendrauf gesetzt. Das ist Greenwashing", sagt Vlaic.
Besonders schwer wiegt für sie der Verlust der Kaltluftfläche. Der offene Acker kühle nachts ab und versorge umliegende Viertel mit Frischluft.
Auch bei der Unabhängigen Bürgerinitiative Rabenstein (UBR) bleibt das Thema explosiv. Nach internen Querelen haben sich Befürworter und Gegner zwar auf eine neutrale Linie verständigt, Volker Herrmann (78) ist trotzdem dagegen: "Ich habe früher in Heimatkunde gelernt, dass hier die grüne Lunge von Chemnitz ist."
Titelfoto: Bildmontage: Kristin Schmidt (2)

