Chemnitz - Der Stolperstein-Stopp in Heidenau schlägt aktuell hohe Wellen: Künftig sollen in der 16.500-Einwohner-Stadt keine Gedenksteine zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus mehr verlegt werden. Ein entsprechender Antrag von CDU, AfD und dem "Bündnis Oberelbe für mehr Demokratie" wurde vergangene Woche mehrheitlich beschlossen. Wäre eine solche Abstimmung auch in Chemnitz denkbar?
"Eine Verlegung von sogenannten 'Stolpersteinen' im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich wird künftig abgelehnt", heißt es im gemeinsamen Antrag. Hintergrund: Passanten würden - bewusst oder unbewusst - auf die Steine treten. Das sei unangemessen. Stattdessen soll auf einem Friedhof eine zentrale Gedenkstätte entstehen.
Der Beschluss löste eine heftige Debatte aus - auch Vertreter jüdischer Gemeinden übten massive Kritik. Was sagen Chemnitzer Politiker dazu? "Bisher habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht", sagt AfD-Kreischef Nico Köhler (50), der selbst regelmäßig bei Stolperstein-Verlegungen in Chemnitz dabei ist.
Erinnern sei wichtig, so Köhler. Gleichzeitig fragt er sich: "Haben solche Gedenksteine einen nachhaltigen Effekt?" Ein zentraler Gedenkort sei möglicherweise sichtbarer, meint der AfD-Politiker.
Grünen-Stadtrat Joseph Israel (27) hält dagegen: Stolpersteine sollten überall im Stadtbild auftauchen, um an die NS-Gräueltaten zu erinnern. Ein zentraler Gedenkort werde dem nicht gerecht - auch weil die Verschleppung der Juden an verschiedenen Orten in Chemnitz stattfand.
Der Stolperstein-Stopp in Heidenau macht den Grünen-Politiker fassungslos. Schockiert ist er vor allem, dass der Antrag auch von der CDU eingebracht wurde.
Kein Stolperstein-Stopp mit Chemnitzer CDU
Die Chemnitzer Christdemokraten wollen das Vorgehen in Heidenau nicht bewerten, da man in den Prozess nicht eingebunden war. Gleichzeitig stellt die CDU klar: Ein Stolperstein-Stopp wird es in Chemnitz mit ihnen nicht geben! Die Schicksale von Jüdinnen und Juden müssten weiterhin sichtbar sein.
"Dazu gehört für uns ausdrücklich auch die Verlegung von Stolpersteinen", sagt CDU-Stadträtin Ines Saborowski (59). Sie betont: "Die CDU steht für den Schutz jüdischen Lebens, für eine lebendige Erinnerungskultur und für ein entschiedenes Eintreten gegen Antisemitismus."
Auch aus dem Rathaus kommt ein klares Bekenntnis: Die Stolpersteine seien ein wichtiges "Erinnerungsprojekt", das "fest in der Stadt verankert" sei. Das Gedenken sollte nicht an einen Ort außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung verbannt werden.
Bezüglich Heidenau hat das Rathaus eine klare Botschaft: "Die Stadt Chemnitz kann nur jeder Kommune empfehlen, die eigene Geschichte mit einem solchen Erinnerungsprojekt aufzuarbeiten und das Gedenken nicht an einen Ort außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung zu verbannen."