Pläne für Mini-Atomkraftwerk stoßen in Chemnitz auf Interesse

Chemnitz - Könnte Atomenergie ein Comeback erleben? Dazu gibt es ein neues Konzept, wie Atomkraft in Zukunft nachhaltig und sicher funktionieren könnte. Ein Experten-Vortrag zu diesem Thema stieß in Chemnitz diese Woche auf reges Interesse.

Der DF-300-Reaktor ohne Hülle. Der Brennstoff ist hier flüssig. Herkömmliche Atomreaktoren laufen mit festen Brennstäben.
Der DF-300-Reaktor ohne Hülle. Der Brennstoff ist hier flüssig. Herkömmliche Atomreaktoren laufen mit festen Brennstäben.  © Dual Fluid Inc.

Der Kernphysiker Götz Ruprecht (56) stellte dort den neuen Atomreaktor mit dem Namen "Dual Fluid" vor. So heißt auch die gleichnamige Firma, die er mit Kollegen im Jahr 2021 in Kanada gründete.

Das Neue daran: Zwei Flüssigkeiten werden im zylinderförmigen Reaktorkern verwendet. Daher stammt auch der Name "Dual Fluid" (doppelte Flüssigkeit).

Das angereicherte Uran, welches hier verwendet wird, ist nicht wie bisher fest, sondern flüssig. Die zweite Flüssigkeit ist aus Blei, die den Reaktor kühlt und die Strahlung des Kerns abschirmt.

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Der Kernreaktor habe in etwa die Größe einer Waschmaschine, eine Gesamtanlage in etwa die Größe eines kleineren Stadions.

Götz Ruprecht (56), Kernphysiker, stellte am Donnerstag ein neues Konzept für einen nachhaltigen Kernreaktor in Chemnitz vor.
Götz Ruprecht (56), Kernphysiker, stellte am Donnerstag ein neues Konzept für einen nachhaltigen Kernreaktor in Chemnitz vor.  © Uwe Meinhold

Reaktor könnte etwa 500.000 Haushalte versorgen

So könnte der neue Kernreaktor aussehen. 2026 soll in Ruanda eine Demonstrations-Anlage an den Start gehen.
So könnte der neue Kernreaktor aussehen. 2026 soll in Ruanda eine Demonstrations-Anlage an den Start gehen.  © Dual Fluid Inc.

Bereits 2011 wurde ein Patent für den Reaktor angemeldet. "Es war die erste Patentanmeldung für einen Reaktor seit 60 Jahren gewesen", sagt der 56-Jährige.

"Dieser Reaktor kann auch mit Atommüll betrieben werden und Energie erzeugen, was das Endlagerproblem lösen könnte", meint Götz Ruprecht. Circa 500.000 Haushalte soll der neue Reaktor versorgen können. Das würde für Chemnitz mit circa 133.000 Haushalten locker reichen.

Wie sieht es in puncto Sicherheit aus? "Eine Kernschmelze ist nicht möglich", verspricht der 56-Jährige, da sich der Reaktor aufgrund des flüssigen Zustands des Inhalts selbst reguliere. Wird es kritisch, dann läuft der flüssige Brennstoff in einen dafür vorgesehenen Behälter und härtet aus. Eine Kettenreaktion bliebe aus. Auch könne der Reaktor unterirdisch in einem Bunker stehen.

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Bislang existiert der neuartige Mini-Reaktor nur auf dem Papier. Das soll sich bald ändern, denn ab 2026 soll ein Demonstrations-Reaktor in Ruanda an den Start gehen. Bis zur Serienreife werde es aber noch einige Jahre dauern.

Titelfoto: Dual Fluid Inc., Uwe Meinhold

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