Chemnitz - Vor dem Chemntizer Rathaus haben am Wochenende etwa 200 Psychotherapeuten aus ganz Südwestsachsen gegen geplante Honorarkürzungen protestiert. Hintergrund: Der Verband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) hat beschlossen, die Vergütung für ambulante Psychotherapie ab April um 4,5 Prozent zu senken.
Unter den Protestierenden war auch die Chemnitzer Psychotherapeutin Valerie Fournès (34), die klare Worte findet: "Es soll quasi eine radikale Kürzung all unserer Leistungen stattfinden."
Für sie geht es ums Überleben: "Ich habe gerade 50.000 Euro Kredit aufgenommen und werde dieses Jahr deutlich weniger Geld verdienen."
Die Folgen treffen aber vor allem die Patienten: "Entweder warten Versicherte länger, oder sie bekommen weniger Rundumversorgung." Schon jetzt seien Therapieplätze rar, besonders für Kinder und Jugendliche.
Unterstützung kommt von der Gewerkschaft ver.di, die die Kürzungen als Angriff auf die Versorgung kritisiert. Gewerkschafter Robin Rottloff (29): "Psychische Gesundheit darf nicht zur fiskalischen Verfügungsmasse werden."
Die Krankenkassen sehen das anders und sprechen von einem "angemessenen Kompromiss", der auch die Beitragszahler berücksichtige. Der GKV argumentiert, Psychotherapeuten hätten in den vergangenen Jahren überdurchschnittliche Honorarsteigerungen erhalten. Intern habe man sogar über 10 Prozent Kürzung nachgedacht.
Fournès beschreibt das Gefühl vieler Kollegen offen: "Ich fühle mich abgewertet, nicht wertgeschätzt."