Chemnitz - Steigende Temperaturen sind für wohnungs- und obdachlose Menschen besonders belastend. Nicole Albrecht (46) und Sascha Smandzik (44) von der Stadtmission Chemnitz sind deshalb täglich im Stadtgebiet unterwegs, um Betroffene zu unterstützen.
"Die Straßensozialarbeit in der Wohnungsnotfallhilfe gibt es seit etwa Mitte der 1990er-Jahre", sagt Smandzik. Gemeinsam mit Albrecht versorgt er Menschen mit Wasser und Sonnencreme, prüft ihren Gesundheitszustand und alarmiert bei Bedarf den Rettungsdienst.
Außerdem weisen die Straßensozialarbeiter auf den Tagestreff in der Annenstraße als kühlen Rückzugsort hin, wo auch frische Kleidung bereitliegt.
"Wir ermöglichen und stärken die Menschen darin, dass sie ihren Rechtsanspruch auf Hilfe geltend machen", so Smandzik.
Rund 600 Menschen beraten und unterstützen die beiden jedes Jahr im öffentlichen Raum. "Wir machen das schon viele Jahre. Wenn sie uns sehen, wissen sie sofort, dass sie zu uns kommen können", sagt Albrecht.
Vertrauen brauche jedoch Zeit: "Manchmal dauert es Jahre, manchmal nur zwei Tage."
Zu wenig Personal: Nur zwei Straßensozialarbeiter für Chemnitzer Stadtgebiet zuständig
Eine Herausforderung sei die personelle Besetzung. "Wir sind zu zweit für das ganze Stadtgebiet zuständig. Notfälle können wir nicht immer sofort erreichen. Zudem sind wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs", berichtet Albrecht.
Besonders an Wochenenden fehlten häufig weitere Hilfsangebote, da viele Hilfseinrichtungen sowie öffentliche Rückzugsorte, etwa Kaufhäuser, nur eingeschränkt oder gar nicht zur Verfügung stünden. "Zum Glück gab es in der ersten Hitzewelle dieses Jahres noch keine Notfälle."
Für Betroffene ist die Unterstützung dennoch wichtig. "Ich gehe gern hierher. Ich lerne verschiedene Leute kennen. Da ist man nicht alleine", sagt Beate (56), die seit 2023 wohnungslos ist.
Auch Marcel (28) nutzt das Angebot regelmäßig: "Ich komme her wegen der Verpflegung. Gäbe es das nicht, wären viele Menschen aufgeschmissen."