Sie müssen raus, wollen aber nicht: Mieter-Protest gegen Wohnhaus-Abriss in Chemnitz
Chemnitz - Die Straßenbahn soll kommen, ein Zuhause dafür verschwinden. Das denkmalgeschützte Haus an der Hartmannstraße 17 steht dem geplanten Zentrumsring des Chemnitzer Modells im Weg. Der Stadtrat hatte den Kauf des Grundstücks gebilligt, der Abriss steht unmittelbar bevor.
Doch das Jugendstilhaus ist noch bewohnt. "Wir sind noch vier Mietparteien hier", sagt Jetro Burkmann, einer der Bewohner.
Burkmann wohnt seit vier Jahren im Haus. Er wäre gern geblieben: Die Immobilie sei zwar sanierungsbedürftig, biete aber günstige Mieten mitten in der Stadt. Nun streitet er mit dem Eigentümer über den Auszug.
"Wir haben schon mehrere Kündigungen bekommen", sagt er. Die Bewohner hätten diese juristisch angefochten. "Keine der Kündigungen ist rechtlich in Ordnung", ist Burkmann überzeugt. Die Stadt hatte mitgeteilt, die Mietverhältnisse seien gekündigt.
Zusätzlich belastet die Bewohner, was im Haus passiert. Gaszähler seien unangekündigt ausgebaut und das Wasser abgestellt worden.
Burkmann berichtet, sie hätten "übers Wochenende ohne Wasser" dagesessen. Auch das Licht im Treppenhaus funktioniere nicht mehr.
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Mieter fordern faire Lösung
Eine neue Wohnung hätten die verbliebenen Mieter bislang nicht gefunden. Bei einem Treffen mit Vertretern der Stadt hätten die Bewohner um Unterstützung gebeten, berichtet Burkmann. Hilfe bei der Wohnungssuche sei ihnen dort nicht zugesagt worden.
Das Rathaus selbst erklärt, man verhandle ausschließlich mit dem Vermieter als Verkäufer: "Zu den Mietern hat die Stadt Chemnitz keine Rechtsbeziehungen." Eigene Wohnungen habe sie nicht. Sie sei aber "gern bereit, Kontakte zur GGG und anderen Wohnungsunternehmen zu vermitteln".
Die Mieter fordern eine faire Lösung, denn bis zum geplanten Abrissbeginn bleiben nur noch wenige Wochen.
Titelfoto: Bildmontage: Kristin Schmidt (2)
