Chemnitz/Annaberg-Buchholz - Durch den Nahost-Konflikt sind die Kraftstoffpreise durch die Decke gegangen. Das trifft vor allem Verkehrsunternehmen, die Busverbindungen anbieten. Wie sieht es in Chemnitz und Umgebung aus? Müssen eventuell, wie in der Luftfahrt bereits angekündigt, Verbindungen gestrichen werden?
Fakt ist: Die explodierenden Spritpreise treffen die Verkehrsbetriebe hart! "Die Preissteigerungen führen zu erheblichen Mehrkosten im sechsstelligen Bereich", teilt ein Sprecher des Regionalverkehrs Erzgebirge (RVE) mit.
Konkret heißt das: 10 Cent mehr pro Liter kosten das Unternehmen etwa 400.000 Euro pro Jahr. "Diese Entwicklungen bergen durchaus Risiken für die wirtschaftliche Stabilität", teilt der RVE mit. Viele Verkehrsunternehmen können die steigenden Kosten nicht dauerhaft aus eigener Kraft kompensieren.
Hinzu kommt, dass viele Verkehrsbetriebe in die Verkehrswende, etwa in E-Busse, investieren wollen. Doch die aktuelle finanzielle Lage erschwert das Vorhaben. Immerhin: Aktuell gibt es keine Pläne für Streichungen von Busverbindungen.
Wie sehr die Diesel-Preise die CVAG in Chemnitz belasten, bleibt unklar. Eine TAG24-Anfrage blieb bis Dienstagabend unbeantwortet.
Steigen die Spritpreise, bekommen die Verkehrsunternehmen mehr Geld - allerdings zeitverzögert
Auch beim Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) schaut man noch gelassen auf die Situation. Wie VMS-Sprecher Falk Ester gegenüber TAG24 mitteilt, sind viele Verbindungen im Gebiet ohnehin mit Strom (Straßenbahn, Züge) unterwegs.
"Einzig die City-Bahn, die Erzgebirgsbahn und einzelne Züge auf der Strecke des RE 6 (Chemnitz - Leipzig) fahren noch mit Diesel", erklärt Ester.
Natürlich belasten die aktuellen Preise die Unternehmen. Aber: Die Verkehrsbetriebe bekommen in Zukunft wohl auch mehr Geld. Grundlage dafür sind spezielle Verträge mit dem Verkehrsverbund. In diesen ist geregelt, dass die Kosten regelmäßig angepasst werden.
Bedeutet: Die Unternehmen erhalten ihr Geld auf Basis von Preis-Indizes des Statistischen Bundesamts. Steigen also die Preise für Diesel, steigen auch die Zahlungen. Allerdings kommt das Geld nicht sofort an. Die Anpassung erfolgt meist mit Blick auf die Entwicklungen der letzten zwei Jahre.
Klar ist aber: Für ÖPNV-Nutzer ändert sich vorerst nichts - auch eine außerplanmäßige Preiserhöhung sei aktuell nicht geplant. Deutschland-Ticket-Besitzer können auch weiterhin für 63 Euro pro Monat durchs Land fahren - und bleiben von den explodierenden Spritpreisen im Alltag weitestgehend verschont.